3 einfache Wege ein Loch in dünnes Blech zu bohren. Mit Video

Wie bohrt man löcher in dünnes Blech?

Kreisrunde Löcher in dünnes Blech bohren hört sich nicht gerade nach einer Herausforderung an. Oder doch? Tatsächlich ist es so, dass es ohne „Spezialwerkzeug“ gar nicht so einfach ist, halbwegs saubere Löcher in Blech zu bekommen. Von Maßhaltig ganz zu schweigen…

Um runde Löcher in Blech zu schneiden, gibt es mehrere Möglichkeiten. Optimal sind Stufen- oder Karosseriebohrer. Für größere Durchmesser sind Lochsägen die erste Wahl. Heimwerker können zur Not, mit einem Griff in die Trickkiste, auch handelsübliche Spiralbohrer verwenden.

Video: Loch in Blech bohren

Sollte dir das Projekt gefallen haben, würde ich mich sehr über ein Kommentar oder ein Abo von dir freuen!

#1 Bohren mit Bordmitteln

Mit „Bordmitteln“ ist nicht selten ein bisschen „Pfusch“ gemeint. Und für letzteres bist du hier goldrichtig!

Spaß bei Seite: Als Heimwerker ist man Werkzeug technisch natürlich nie optimal ausgerüstet. Typischerweise ist dann auch noch der Baumarkt zu und… Ich denke du weißt Bescheid.

Das hält einen aber in den seltensten Fällen ab. Also wird gepfu… Pardon; improvisiert!  

Richtig Improvisieren

Geht nicht, akzeptieren wir nicht. Aber bevor wir ans Eingemachte gehen, möchte ich dich auf ein paar Gefahren hinweisen. Also überfliege das hier bitte nicht!

Dünnblech mit normalen Spiralbohrern zu bohren ist nämlich nicht ohne!

Wegen der geringen Blechstärke tritt die Querschneide des Bohrers bereits aus dem Blech aus, während die Hauptschneiden noch nicht einmal  komplett im Material ist.

Alles andere als eine runde Nummer. Das Blech ist verbogen und die Bohrung sehr ungleichmäßig.

Die fehlende Führung sorgt nicht nur dafür, dass die Bohrungen (Löcher) alles andere als rund werden und leicht „dreieckig“ wirken, sondern es besteht auch die Gefahr, dass der Bohrer einhakt.

Ist das Blech dann nicht sauber eingespannt, fliegt dir die Nummer ungebremst um die Ohren!

Dass ein rotierendes 1 mm Blech auch Tiptop als Rasierklinge herhalten kann, brauch ich imfall nicht erwähnen. Oder?

Hier also ohne ein gewisses Maß an Feingefühl und Vorsicht ans Werk zu gehen, geht garantiert nach hinten los. Also tut dir den Gefallen und lass dir beim Bohren Zeit und beachte einige Regeln.

Anständig auflegen und Spannen

Eine Unterlage wirkt Wunder. Also sei nicht geizig und opfere z.B. eine Holzplatte, die du unter das Blech legen kannst.

Das muss nichts Besonderes sein. Hauptsache die Platte ist eben. OSB eignet sich dafür also nicht. Perfekt wäre übrigens eine Unterlage aus Metall. Besonders bei dünnen Blechen lässt sich ein Durchbiegen vermeiden.

Spanne möglichst nahe an der Bohrung. Ein Stück Abfallholz, das zusätzlich von oben mit gespannt wird, schadet auch nicht.

Bohrständer oder Tischbohrmaschine nutzen

Tisch-Bohrmaschinen oder Bohrständer wären optimal zum Bohren in Blech.

Falls irgendwie möglich nutze eine Tischbohrmaschine oder einen Bohrständer. Damit lässt es sich einfacher Bohren. Du musst dich beim Bohrvorgang nicht auch noch darauf konzentrieren, ob die Bohrmaschine auch wirklich gerade gehalten wird. 

Finger aus dem Gefahrenbereich halten

Die Pfoten halten wir fein aus der Gefahrenzone raus. Selbsterklärend, dass wir das Blech weder mit, noch in den Händen halten. Unsere Hände sind einfach miserable Schraubzwingen.

Wenn du das scharfkantige Blech nicht ohne Handschuhe anfassen willst, dann sei so gut und nimm wenigstens (Alle „Sicherheits-beauftragten“ bitte nun weggucken) dünne Montagehandschuhe. Die haben mir persönlich auch schon mehr als einmal die „sprichwörtliche“ Haut gerettet.

Kleine Bohrdurchmesser

Die kleinen Bohrer (Bis 4 mm)  sind recht unproblematisch. Hier ist es einfach nur wichtig, dass du ordentlich Drehzahl anliegen hast und die Bohrer scharf sind. Sprich – nimm nicht den Akkuschrauber. Die sind meistens zu langsam.

Wenn du Bohren und nicht „drücken“ willst, dann nimm besser eine normale Bohrmaschine. Die haben höhere Drehzahlen. Falls so was vorhanden ist. Wenn nicht, dann leg den höchsten Gang deines Akkuschraubers ein und lass dir Zeit beim Bohren.

Größere Durchmesser

Nun wird es interessant! Großer Bohrer bedeutet auch große Querschneide. Der Widerstand wird also größer. Bis der Bohrer das Blech anbohrt, haben wir schon so viel Druck aufgebaut, dass das Blech sich zuerst verformt, ehe die Schneide eintaucht.

Damit das nicht genug ist, kommt die zuvor beschrieben Querschneiden-Problematik zu tragen. Sprich; rund läuft nun nichts mehr.

Bei dickerem Material ist es nicht ungewöhnlich, dass man vorbohrt. Wenn du beispielsweise ein „Loch“ mit 12 mm Durchmesser bohren möchtest, nimmt man zuerst einen kleineren Bohrer, ehe man mit dem 12 mm Bohrer aufbohrt.

Das funktioniert mit stationären Bohr-Maschinen wunderbar. Von Hand und in Dünnblech ist diese Vorgehensweise aber mehr als nur „suboptimal“.

So schnell kann man nicht gucken, wie es den Bohrer einzieht.

Fassen wir kurz zusammen: Einen z.B. 12er Bohrer von Hand in ein Dünnblech drücken geht garantiert schief. Und, wenn wir vorbohren, hakt uns das Ding auch ein. Tolles Dilemma…

Wir bohren dennoch vor! :)

Das Himmelfahrtskommando

Bohre zuerst mit einem kleineren Bohrer vor. Ca. 1/3 des Enddurchmessers reichen. Das ist genug, damit die Querschneide des größeren Bohrers frei bleibt und nicht mehr auf das Blech drücken kann.

Und nun kommt ein alter Trick zum Einsatz, den ich vor Ewigkeiten, während meiner Lehre, aufgeschnappt habe.

Schnapp dir ein Stück Baumwolltuch. Alte Geschirrtücher eignen sich  wunderbar. Schneide davon eine Bahn ab und falte diese 2-3 Mal. Anschließend lege das gefaltete Tuch auf die Bohrstelle und setze mit dem Bohrer an.

Nun bohrst du sachte und mit gleichmäßigem Druck die kleinere Bohrung auf den Enddurchmesser auf. Sobald du spürst, dass der Bohrwiderstand geringer wird, gehe mit dem Druck zurück und erhöhe leicht die Drehzahl, bis du ganz durch bist.

Wenn du dir nun die Bohrung anschaust, wirst du feststellen, dass sie gar nicht mal so unrund geworden ist! Die Maßhaltigkeit ist bei stationären Maschinen auch noch recht hoch. Wenn du von Hand gebohrt hast, erwarte aber bitte nicht zu viel.

Warum dieser alte Trick funktioniert kann ich dir leider auch nicht genau sagen. Vermutlich bildet der gestauchte Lappen eine Art künstliche „Material-Verstärkung“, die dem Bohrer zusätzliche Führung bietet. Außerdem dämpft es die Vibrationen.

Nicht „nach Lehrbuch“, aber es funktioniert! Übrigens: Auch bei kleinen Bohrdurchmessern verbessert der Lappen das Bohrbild.

#2 Bohren mit dem Stufenbohrer

Das zuvor beschriebene Abenteuer würde sich ein Sanitärler oder Schaltschrank-Bauer aber gewiss nicht antun! Und die Bohren auch viel Freihand. Stattdessen wirst du bei denen oft sogenannte Stufen oder Schälbohrer antreffen.

Eine tolle Übersicht findest du auch auf der Webseite von Ruko.

Das wirklich tolle an den Teilen ist, dass man mit einem Bohrer gleich mehrere Durchmesser abdecken kann. Denn mit jeder weiteren Stufe wird die Bohrung ein Stück größer. Durch diese Vorbohrung wird der Kegel sicher geführt und bietet der nächsten Stufe optimale Bedingungen.

Ausserdem sind schon recht große Bohrdurchmesser damit realisierbar.

Auch beim Stufenbohrer gilt: Unterlegen und Spannen ist auch hier nicht verkehrt.

Klar, man muss beim Bohren aufpassen, welche Stufe man gerade Bohrt. Ich markiere mir die als einfach mit einem Stück Klebeband.

Mittlerweile gibt es die Dinger für kleines Geld auch für Otto-Normalo zu kaufen. Wir brauchen da kein Hightech-Teil.

Bevor du dich also mit normalen Spiralbohrern rumschlägst, rate ich dir auf jeden Fall zu einem Stufenbohrer. Die kann man immer mal brauchen.

#3 Bohren mit der Lochsäge

Bei wirklich großen Durchmessern sind uns Heimwerkern dann doch schnell grenzen gesetzt.

Wenn du also deine Zeit nicht mit Lochreihen bohren und dem ausstemmen jener verschwenden willst, dann bleibt eigentlich nur die Stichsäge oder eine Lochsäge. Letztere ist definitiv genauer und praktikabler!

Großes Loch in Blech mit der Lochsäge schneiden bohren

Die Anwendung ist denkbar einfach: Blech sicher aufspannen und Lochsäge ansetzen. Kühlen schadet dabei auf keinen Fall. Falls möglich nimm dazu Bohrmilch auf Wasserbasis. Die Spült die Späne besser aus.

Ansonsten tut es auch normales Schneidöl. Einfach hin und wieder mal absetzen und die Zähne Freiblasen, wenn du das Gefühl hast, es geht nicht mehr vorwärts.

Drehzahlen technisch bewegen wir uns im unteren Bereich. Du kannst also auch einen Akkuschrauber nehmen. Er sollte aber schon recht kräftig sein. Die meisten 12V Geräte sind da schnell überfordert.

Die gute alte 2-Gang Bohrmaschine mit einem kräftigen Zahnkranzbohrfutter ist hier im übrigen eine gute Wahl. 

Lochsägen gibt es in den verschiedensten Durchmessern. Achte beim Kauf darauf, dass sie möglichst viele Materialien abdecken können. Wir Heimwerker sollten da möglichst universell denken.

#4 Weitere Möglichkeiten

Neben den oben genannten Möglichkeiten gibt es noch weitere Alternativen. Für uns Heimwerker sind diese jedoch meist uninteressant, da wir weder gewerblich agieren, noch darauf aus sind in Massen Löcher in Bleche zu bohren. Dennoch möchte ich dir einige weitere Lösungen nennen.

Freihand-Bohrer mit Zentrierkrone

Diese Bohrer haben eine spezielle Bohrergeometrie, die das Bohren Metallrohren und Dünnblechen vereinfachen.

Doppelbohrer / Karosseriebohrer

Dieser Bohrer ähnelt sehr einem normalen NC-Anbohrer. Seine Zentrierspitze vereinfacht das Anbohren. Besonders zum Bohren mit handgeführten Bohrmaschinen in dünnwandige Materialien.

Blechlocher

Nicht bohren, sondern stanzen ist hier die Lösung. Kennst du sicher-Damit werden oft die Löcher für Armaturen in Waschbecken gestanzt.

Fazit & Empfehlung

In der Not frisst der Teufel bekanntlich fliegen. Und in Sachen Werkzeug-Ausstattung sind wir Heimwerker permanent im Notmodus.

Aus dem Grund habe ich der Variante mit dem Spiralbohrer so viel Aufmerksamkeit gewidmet. Aber machen wir uns nichts vor: Es ist eine Notlösung!

Wenn du dir was gutes tun willst, dann gönne dir ein Set Stufenbohrer. Ich halte die Teile für uns Heimwerker als die beste Lösung.

Frag mich!

Sollte dir dieser Beitrag gefallen haben, würde ich mich sehr über ein Kommentar oder ein Abo auf Youtube, Facebook oder Instagram von dir freuen.

Abonnieren ist übrigens kostenlos! :)

Du kannst mir natürlich auch gerne Fragen stellen!

Schreibe einen Kommentar