eBomb! Ausgefallener Hängeverteiler für Werkstatt selber bauen

Ausgefallener Hängeverteiler / Energiewürfel für Werkstatt selber bauen

Kabel haben die Angewohnheit ständig im Weg zu liegen. Da sind Steckdosenleisten, in Form von Hängeverteiler ein Segen! Ich wollte schon immer einen solchen Verteiler haben. Natürlich sollte er auch was hermachen, was wiederum bedeutet: Selber stricken ist angesagt!

Dies ist schon ein Herzensprojekt. Denn ich war lange auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Energiewürfel, denn ich über meine Werkbank hängen kann. Ich filme hin und wieder und da wäre es schön, wenn das Teil auch nach was aussieht und nicht zu hoch ist.

Kaufen viel also flach. Bleibt nur selber machen! ;)

DIY-Video

Hängeverteiler / Energiewürfel selber bauen
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Ein Hängeverteiler mit Style!

In den Sinn kam mit zuerst einer der klassischen „Energiewürfel“. Die gelben Dinger, die man halt so aus den Werkstätten kennt. Zweckmäßig und sicher. Aber ich wollte unbedingt einen Hingucker.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich bereits mit der Gestaltung von „Low-Poly-Figuren“ aus Stahlblech beschäftigt. Wenn du die richtige Bezeichnung dafür kennst: Bitte melden!

Jedenfalls war schnell klar: Ich stricke mir einen eigenen Hängeverteiler!

Planungsphase: Was brauch ich an Funktionen

Ich leide an chronischem Zeitmangel. Das Projekt muss also einfach auf Anhieb sitzen. Bei der Planung zu schlampen ist diesmal einfach nicht drin.

Bedeutet für mich: Hintern setzten und gut überlegen was ich denn so brauche.

  1. Mindestens zwei, besser drei Steckdosen.
  2. Muss optisch was hermachen, darf auch auffallen.
  3. Würfel darf nicht zu hoch werden. Stört sonst beim Filmen.
  4. Robuste Ausführung der Aufhängung.
  5. Genug nutzbare Fläche um Zettel mit Magneten befestigen zu können.

VDE-Terror. Ein paar Gedanken zur Sicherheit

Bevor die Funken fligen…

Wenn man keine Ahnung von Elektrik hat, lass die Finger davon!

Den Spruch wirst du öfter hören und es ist auch was dran. Andererseits; vom „Finger davon“ lassen bekommt man auch nie „die Ahnung“. ;)

Eine Roman- fähige Nummer. Jedenfalls ist es so, dass du dich sehr wohl an das Thema Elektrik wagen kannst, wenn du deinen Kopf benutzt und dir Hilfe holst.

Mit etwas solidem Grundlagenwissen und einem Elektriker an der Hand, kann man sich auch einmal die passenden Normen ansehen, sofern man Zugriff darauf hat. Ja, leider ist es nämlich so, dass das Gedöhns nicht frei verfügbar ist.

Natürlich ist es nicht erlaubt die einfach hier zu veröffentlichen. Aber vielleicht kennst du jemanden, der einen kennt… Weißt Bescheid. :)

Das Ding wird jedenfalls gröber angepackt, manchmal mit nassen und öligen Händen. Dann wird daran gezogen und das Gehäuse ist aus Metall.

Kurz: Es gibt einiges, dass man doch beachten sollte. Andernfalls geht man sonst mit der Idee in Rauch auf.

  1. Aufgrund des Gehäuses ist Schutzklasse I angesagt.
  2. Schutzkontakt-Einbaudosen mit min. IP x4. und Anschlussmöglichkeit für mehradrige Leiter.
  3. Für eine sichere Zugentlastung sorgen (Kabelverschraubung).
  4. Die Werkstattumgebung schreit nach einer PUR-Schlauchleitung.
  5. Sollte an einer Kette und nicht an der Leitung aufgehängt werden.

Da ich nicht vorhabe über den Würfel einen 2,5KW Heizlüfter dauerhaft zu betreiben verzichtete ich auf einen internen Leitungsschutzschalter. Eine einfache, rückstellbare Variante hätte aber sicher nicht geschadet. Die gibt es ab 8€. Von daher…

Eines noch:

Ohne CE dürfen solche Basteleien nicht weitergeben werden. Verschenken und verkaufen ebenso wenig. Nein, da gibt es keine Ausnahme. Keine CE, kein Inverkehrbringen. Egal ob ein Stück oder eine Million. Punkt!

Jetzt guck mich nicht so an. Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Habe es hiermit erwähnt und nun weiter! ;)

Das Design festlegen

Bei einem typischen Flanschmaß von 50×50 mm, geben die Einbaudosen ja schon ein wichtiges Maß vor. Der Rest ergab sich dann fast von alleine.

Ich hatte mir zuerst grob die Proportionen mit Inkscape zurechtgelegt und das ganze Ding dann einfach schnell in Blender modelliert.

Der Energiewürfel / Hängeverteiler wurde schnell in Blender erstellt

So einfache Modelle kannst du auch mit einfachen Kartonmodellen ausarbeiten. Ein 3D Programm spart zwar viel Zeit, es geht aber auch ohne.

Das 3D Mesh wurde einfach mit Pepakura abgewickelt

Die Abwicklung des Meshes, so nennt man ein solches Polygonenmodell, erledigte ich mit Pepakura.

Das Stahlblech zuschneiden

Die ausgeschnitten Teile für den Hängeverteiler

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten die Bleche zu schneiden. Entweder man macht sich die Mühe und schneidet selbst oder übergibt es einem Dienstleister. Ein Laserzuschnitt für ein solches Modell bekommt man für rund 30€.

Ich lasse das tatsächlich öfter machen. Die liebe Zeit. Aber in dem Fall wollte ich nicht warten und hab es „schnell“ selbst ausgeschnitten.

Die Zeichung wurde einfach ausgedruckt und mit Sprühkleber auf das Blech geklebt

Faul wie ich bin, habe ich die Zeichnung einfach nur ausgedruckt und plump mit Sprühkleber an die Bleche geklebt. Fertig war der Lack. Man muss beim Zuschnitt aber gut aufpassen, den das Papier kann sich an der Schnittkante lösen oder ausfransen. Schnell sägt man dann „neben der Spur“.

Blech mit der Stichsäge schneiden geht sehr gut. Einfach den Pendelhub ausstellen und los.

Apropos Sägen: Eine einfache Stichsäge mit einem feinen Metallsägeblatt und einem abschaltbaren Pendelhub reicht dazu vollkommen. Achte einfach immer darauf, dass die Vibrationen möglichst gering bleiben und spanne das Blech gut fest!

Komm nicht auf die Idee, es bloß mit der Hand zu halten. Wenn das Blatt einhackt, sind deine Pfoten schneller angesät, als dir lieb ist.

Erfahrungswert. Hab ich schon zweimal hinbekommen. Gab jedes Mal eine große Sauerrei… :P

Blech mit Plasmaschneider schneiden

Die Ausschnitte für die Dosen können auch mit einer Lochreihe und etwas Feilen erledigt werden, solltest du nicht zufällig einen Plasmaschneider, oder die passende Lochsäge da haben! :)

Verschweißen der Teile

Dünnblech schreit förmlich nach einem WIG-Gerät. Ich habe selbst auch nur eine sehr einfache Maschine. Ab 1,5 mm Blechstärke wäre E-Hand auch möglich. Dazu gehört jedoch einiges an Übung. Eine passende Elektrode vorausgesetzt und es ist mehr ein Punkten. Aber es geht!

Wig-Schweißen des Hängeverteilers.

Weil ich beim Zuschnitt nicht besonders sorgfältig gearbeitet habe, musste ich mit reichlich Zusatz schweißen. Außerdem wollte ich sicherstellen, dass die Box einigermaßen dicht ist.

Wig-Schweissen mit Zusatz

Ein bisschen Weichlöten

Die Entscheidung, dass „Leitwerk“ anzulöten war recht einfach getroffen. Es ist schnell erledigt, Spalt-füllend und man sieht keinerlei Nähte. Diese wegzuschleifen, darauf hatte ich absolut keinen Bock & Zeit.

Stahl lässt sich gut weichlöten

Normalerweise verwende ich für so etwas Stangenlötzinn aus dem KFZ-Bereich. War aber mal wieder leer und es musste normales Fitting-Lot dran glauben. Flussmittel nicht vergessen!

Das Leitwerk des Hängeverteilers wird einfach verlötet

Lackieren. Denn nur bunt ist es schön!

Die Oberfläche wurde einfach mit Stahlwolle und Isopropanol (99%) gereinigt und eine Schicht Haftgrund aufgetragen. Das muss nichts Teures sein. Wichtig ist nur, dass der Grund und der Decklack sich gut vertragen.

Normalerweise kennt man seine „Pappenheimer“ ja. Wenn du aber unsicher bist, probiere das zuerst an einem Teststück.

Vor dem Lackieren wird zuerst grundiert.

Ich verwende meiste 1K NC Lacke und als Haftgrund nehme ich entweder den hier oder ein günstiges 3€ Zinkspray

Eigentlich wollte ich den gleich folgenden Abschnitt unterschlagen. Da es aber im Video zu sehen ist, erläutere ich das ein wenig.

Lackföhnen! Bisschen Pfusch, aber effektiv.

Da ich mal wieder nicht warten konnte, habe ich mein übliches „Lackföhnen“ angewendet. Das Teil hatte ich mit dem Heißluftföhn auf ca. 30-40C vorgewärmt. Dann Lacken und hinterher gleich wieder mit dem Föhn (max. 80C) ran. Ein normaler Haarföhn reicht also auch aus.

Lackieren & Trocknungszeit. Mit dem Föhn geht es sehr schnell.

Mit etwas Übung funktioniert das sehr gut und man kann Grundierung und die Lackschichten unmittelbar hintereinander auftragen. Die Dose sollte übrigens auch warm (ca. 20-25C) sein. Zur Not die Dose in einen Eimer mit warmen Wasser legen.

Aber das ist nicht ohne, denn:

  1. Lackspray und Heißluftföhn = Abenteuer! Raum muss vorher ausgelüftet werden oder am besten ab ins Freie.
  2. Wenn es zu warm wird, besteht die Gefahr, dass der Lack Blasen wirft.
  3. Der Lack fühlt sich zwar trocken an, aber er ist noch recht weich. Druckstellen sind also vorprogrammiert.
  4. Nach der letzten Schicht ist min. 8 Stunden ruhen angesagt. Mehr wäre besser.
  5. Du bläst unter Umständen staubige Luft auf deine Lackschicht. Föhn reinigen (Staubfrei), falls nötig.
  6. Hat sich Staub auf der Oberfläche angesammelt, war es das mit „quick & dirty“. Dann warte, bis der Lack komplett ausgehärtet ist, ehe du dran rumfummelst.
  7. Nur dünne Schichten auftragen! Sonst dauert das Abbinden zu lange.
  8. Für reichlich Sprühabstand sorgen, damit das Lösemittel möglichst schnell verdunstet.

Ja, es ist in bisschen Pfusch. Aber es geht wirklich verdammt schnell und Temperatur ist beim Lackieren einfach ein extremer Beschleuniger. Für den Würfel habe ich keine 20 min gebraucht.

Teste / probiere das aber vorab, denn du musst deine Lacke recht gut „kennen“. Verwende deswegen auch immer die gleichen Lacke und Lack-Kombinationen.

Die Kurzschlussmechanik

Der Part auf den ich am wenigsten eingehen kann. Wegen Ahnung und so. Du weißt Bescheid.

Solltest du dich dennoch an sowas wagen, denk an eine anständige Zugentlastung!

Das Gehäuse ist leitend. Vergesse also auf keinen Fall den Schutzleiter. Lass ihn ein gutes Stück länger. Dann bleibt dieser als letzter noch am Gehäuse, sollte es doch wer fertigbringen alles herauszureißen.

Leitungsquerschnitt bitte nicht unter 1,5mm² CU und nimm was Robustes. Besorge dir gute Einbaudosen.

Denk nicht daran irgendwas zu verlöten und „Luschtigklemmen“ guckst du am besten auch nicht an! Nimm stattdessen Wagos, wenn ein Durchschleifen an der Dose nicht möglich ist.

Fazit

Das Projekt hat mir richtig viel Spaß gemacht und ich bin ich sehr glücklich über das Ergebnis, obwohl ich mal wieder tierischen Zeitdruck hatte.

Aber im Großen und ganze hat sich die Planung gelohnt. Es ging ausnahmsweise nichts schief und alles hat auf Anhieb gepasst.

Sollte ich mir in Kalender eintragen… ;P

Downloads & Materialliste

Hängeverteiler für Werkstatt selber bauen aus Stahl.

Du kannst dir die Zeichnung hier herunterladen und Material benötigst du Folgendes:

  1. Grundierung & Lackspray
  2. Stahlblech, unverzinkt. Stärke 1 bis 1,5 mm
  3. Eine Kette
  4. Zinn, Flussmittel und eine Lötlampe
  5. PUR-Leitung H05BQ-F / H07BQ-F oder ähnliches
  6. Eine Kabelverschraubung mit Zugentlastung
  7. Stichsäge mit Metallsägeblatt
  8. Winkelschleifer 4 x Einbaudosen m. Anschlussmöglichkeit für Mehradrige Leiter
  9. Sprühkleber
  10. Blechbohrer
  11. Kleinkram wie: Kabelschuhe, Schrauben, Schnorrscheibe und Muttern.
  12. 4 x Einbausteckdosen m. Anschlussmöglichkeit für Mehradrige Leiter
  13. Ein Handtuch

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