Upcycling: Vom Kerzenständer zum Designer Tisch

Upcycling Idee: Baue aus einem alten Kerzenständer und Holzresten einen modernen Designer-Tisch

Was macht man mit einem hässlichen Kerzenständer und etwas Altholz? Man könnte das Gerödel einfach wegwerfen. Oder macht daraus etwas Neues! Letzteres hört sich doch nach einer guten Idee an. Oder?

Upcycling nennt sich das dann. Dabei entstehen die verrücktesten Dinge und man weiß vorher nie, wie das Endergebnis wird.

In meinem Fall wurde aus obigen „Müll“ ein stylischer Bestelltisch.

Das Video

Vom hässlichen Kerzenständer zum Designer Tisch
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Upcycling als Notwehr.

Die meisten meiner Projekte sind ein „Abenteuer“. Selten läuft was glatt und ich plane Material-technisch oft viel zu knapp.

Nicht, weil ich zu geizig beim Einkauf bin. Nein. Entweder weil ich mich schlicht verplane oder es stehen nur Reste zur Verfügung, die ich auf Teufel komm raus, irgendwie verarbeiten will.

Bloß nichts wegwerfen! Keine Ahnung, woher ich diese lästige Macke habe.

Jedenfalls ist es diesmal auch wieder so eine Nummer. Aber ließ selbst…

Alter Geschmiedeter Kerzenständer. Rostig und hässlich.

Seit Jahren Stand dieser Kerzenständer nutzlos der Gegend rum. Ich habe keine Ahnung woher ich den einst „bekommen“ habe. Jedenfalls wurde es mal wieder enger in der Bastelkammer und es stand ein Ausmisten an. Sprich; die „schönsten Schätze“ müssen weg.

Der Ständer war auch schon auf dem Weg in den Schrott, bis mir doch die rettende Idee kam: Daraus wird ein Tisch!

Heute noch, und zwar mit dem Material das herumliegt. Andernfalls fliegt das Gerödel noch am selben Abend in den Müll.

Planloser kann man nicht loslegen

Den Kerzenständer kann man ja als Tischbein verwenden. Fehlt nur noch die Tischplatte. Zuerst dachte ich an einen typischen „Industrie-Style“ à la dunkles Massivholz und Stahl.

Wenn Ich aber noch ein weiteres abgeranztes Stahl-Holz-Kombinat daheim anschleppe, brennt die Bude.

Es musste also moderner und neuwertiger wirken. 

Nur was nehme ich als Tischplatte? Spanplatte? Beton? Glas? Nein nicht schon wieder…

Was die Resteküche halt hergibt. Verschiedenen Multiplix-Platten.

Von einem alten Projekt lagen noch einige Reste Schichtholz (Multiiplex) herum. Natürlich war keines der Stücke groß genug für eine nutzbare Tischplatte. So viel Glück hab ich aus Prinzip nicht. :P

Not macht erfinderisch

Alles kein Problem. Einfach zurecht Sägen, Kanten hobeln und gnadenlos verleimen… Ja Pustekuchen! Natürlich waren die Reste eine bunte Mischung aus 18 bis 24mm Platten. Passt also nicht.

Zum Glück kam die rettende Idee doch noch. Einfach die Platten in gleichmäßige Streifen zersägen und verleimen. So spielt die Plattenstärke keine Rolle und es entsteht eine interessante Optik.

Zuschnitt der Multiplex - Platte. Daraus wird die Tischplatte.

Knappe Nummer

Ich hatte es zwar grob überschlagen, aber ich wusste nicht wirklich, ob das Holz für eine brauchbare Platte tatsächlich reichen würde. Um die 40cm Durchmesser sollte es min. werden. Andernfalls wäre es von den Proportionen her nicht gerade ansprechend.

Auf die einzelnen Streifen habe ich mit dem Universalwinkel die Aussenmaße der Tischplatte festgelegt.

Denken ist nicht so mein Ding. Also habe ich die Leisten einfach einmal lose aneinander gelegt und mit einem Universalwinkel einen Kreis aufgezeichnet. Und siehe da: Knapp aber passt!

Schichtholz Sandwich

Da es viele Streifen sind, darf ich beim Verleimen nicht trödeln. Denn die Tropfzeit des Leimes ist selbst unter normalen Bedingungen, schon recht knapp. Bei der aktuellen Hitze kann man froh sein, wenn das Holz nicht die ganze Tube auf einmal weg ext.

Die Topfzeit ist die Zeit, in der der Leim Verarbeitbar ist. Wird sie überschritten, trocknet der Leim und die Verbindung ist unbrauchbar.

Ich muss mich also beeilen und das Verleimen gut vorbereiten, damit das alles zügig vonstattengeht.

Der Leim bindet schnell ab. Eile ist also geboten.

Ohne das vorherige Anzeichnen des Kreises, wäre es mir in der Eile garantiert nicht gelungen, die Teile schnell genug zu verleimen.

Die Spanplatte diente dabei als Auflage. In der Hoffnung, dass so wenigstens eine Seite der Tischplatte halbwegs plan werden würde. Was weniger Schleifarbeit bedeutet.

Anfertigen der Leimholzplatte aus Multiplex

Denk bei sowas an eine Zwischenlage aus Papier. Der Leim drückt sonst durch und bleibt gnadenlos an der Auflage kleben.

Zum Glück bin ich bestens ausgerüstet. Neben der Rahmenpresse habe ich immer ein paar Korpuszwingen über….

Natürlich nicht!

Ich kann froh sein, wenn ich mich nicht um eine der wenigen funktionierenden Schraubzwingen prügeln muss. Man hätte nun einfach eine Vorrichtung basteln können. Die Platte ist ja nicht sehr groß.

Korpuszwingen habe ich keine. Also muss die Superjaws, ein Spannbock, dran glauben.
Wenn mein alter Meister das sehen würde…

Die Faulheit hat aber gesiegt und ich habe die Nummer einfach in einen Spannbock gespannt. Eben streng nach Lehrbuch.

Ein Fräszirkel ist nur was für Weichholzhobler

Fräszirkel sind eine geniale Sache… Vorausgesetzt man hat einen. Ich hatte auch mal einen. Der scheint sich woanders aber wohler zu fühlen. :)

Ich stehe jedenfalls mal wieder ohne da. Danke!

Solche Fräszirkel sind wirklich eine einfache und praktische Sache. Man kann sie für rund 20€ kaufen. Oder man fertigt sich selbst einen an.

Der Micha hat dazu ein Video erstellt, in dem er dir den Bau eines einfachen Fräszirkels genau erklärt.

Ein improvisierter Fräszirkel ist besser als keiner. Vorsicht bei Multipliex. Das Gedöhnst ist zäh.

Ich hatte jedenfalls keine Lust, wieder einen neuen zu basteln. Mein alter Zirkel wird ohnehin wieder auftauchen. Außerdem wollte ich unbedingt mit dem Projekt fertig werden.

Also wurde improvisiert!

Vorsicht bei Multipliex. Das Gedöhnst ist zäh.

Multiplex ist ein recht zähes Zeug. Stelle also nicht zu viel zu und fräse in mehreren Schritten. Sollte der Fräser nicht lang genug sein, drehe die Platte einfach und nimm den Rest von der Rückseite.

Drechseln für Arme

Mir hat einfach noch ein kleines Detail gefehlt. Und darum habe ich der Platte noch ein Buchenstopfen verpasst.

Lasierter Buchen-Stopfen für die Tischplatte.

Eine Drechsel besitze ich nicht mehr. Ist irgendwie nicht meine Welt. Jedenfalls tut es „zur Not“ auch eine Drehbank. 

Holz auf der Metall Drehbank drehen.

Die Rillen im Stopfen sollten beim Verleimen helfen. So jedenfalls die Idee. Ich hatte erst gar nicht versucht, den Stopfen bündig zur Platte, abschließen zu lassen.

Den Buchenstopfen leime ich erst am Schluss ein. Im Nachhinein hat sich der Stopfen als Fehler herausgestellt.

Stattdessen sind Stopfen außen- und Platteninnenkante leicht gefasst. Es fällt dann nicht auf, wenn es nicht 100% passt.

Das war zwar ein toller Gedanke.

Im Nachhinein würde ich das aber nicht mehr so machen. An der Stelle des Stopfens sammelt sich ständig Staub & Co. Die Platte lässt sich einfach schlechter reinigen.

Multiplex und Hartöl ist eine tolle Kombination.

Aus Zeitmangel habe ich Anfangs nur eine Schicht Hartöl aufgetragen. Zwei Wochen Später folgten dann zwei weite Lagen. Danach war die Oberfläche top.

Lackieren des Kerzenständers

Glücklicherweise war kaum Rostbefall am Kerzenständer vorhanden. Die ursprüngliche Brünierung  hat einen guten Job getan. Ich bin aber nun so fies und verstecke das unter einer Schicht Lack.

Bei sowas braucht man wirklich nicht viel zu beachten. Zuerst entfernt man mit einer Drahtbürste den Flugrost und sonstigen Schmutz. Anschließen geh ich mit Isopropanol und Stahlwolle darüber. Meine absolute Lieblings-Kombination zum Reinigen.

Als Grundierung und Rostschutz verwende ich gerne sehr günstiges Zink oder Aluspray

Statt einer normalen Grundierung verwende ich, in solchen Fällen, seit Jahren nur ein günstiges Zinkspray. Die Dosen gibt es für rund 3€ und sie sperren gut ab. Eine Grundierung kann man sich dann sparen.

Rostdurchschläge und dergleichen habe ich damit noch nie erlebt. Selbst, wenn man mit Acryllacken drüber geht.

Kerzenständer nach Reinigung mit Isopropanol. Grundiert mit Zink und KFZ-Decklack.

Montieren des neuen Fußes

Den umlackierten Kerzenständer an der Tischplatte zu befestigen ist eine leichte Übung. Drei Bohrungen reichen dafür. Den Rest erledigen die Schrauben.

Montage des Tischbeines.

Ursprünglich wollte ich den „Teller“ noch in der Tischplatte versenken. Habe mich aber aus Zeitgründen dagegen entschieden.

Fazit

Das Ergebnis überraschte mich selbst. Der Tisch wirkt in Natura wirklich noch ein ganzes Stück besser und er steht sehr stabil und sicher. Die Struktur der Multiplexplatte kommt auch sehr gut zur Geltung.

Wenn man sich die Spielerei mit dem roten Stopfen spart, ist das Projekt relativ einfach umsetzbar. Um ehrlich zu sein, hat sich der Stopfen ohnehin als Fehlkonstruktion entpuppt.

Tischplatten, die eben sind, lassen sich besser reinigen.

Anstelle des Schichtholzes hätte man auch Prima verschiedene Vollholzstreifen verwenden können.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich den alten Kerzenständer nicht einfach weggeworfen habe! Denn der Tisch leistet mittlerweile gute Dienste.

Upcycling vom feinsten. Der fertige Desinger Beistelltisch. Gefertigt aus Altholz mit gölter Tischplatte aus Multiplex.

Material & Werkzeuge

Wenn du auf die Spielerei mit dem Bucheneinsatz verzichtest, benötigst du für dieses Projekt:

  • Schichtholz Platten oder was sonst so rumliegt
  • Etwas das man als Tischbein zweckentfremden kann
  • Hartöl oder einen Toplack für die Tischplatte
  • Etwas Grundierung und Lack fürs Tischbein
  • Spannmittel. Das können Zwingen oder eine Vorrichtung sein
  • Zeitungspapier zum unterlegen
  • Kleinkram wie; Schrauben, Leim, eine Drahtbürste und etwas zum Reinigen
  • Frässchablone oder etwas vergleichbares
  • Hand oder Tischkreissäge um die Streifen sägen zu können
  • Oberfräse und mit einem Schafträser.
  • Eine Schleifmaschine wäre fein
  • Bohrmaschine / Schrauber
  • Metallsäge oder Winkelschleifer, falls am Bein was gekürzt werden muss
  • Ein Handtuch

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