Was tun, wenn du einfach kein Loch in die Wand bekommst?

Eines vorab: Das kommt in den besten Familien vor! So eine Wand kann einen schon einmal auf die Palme bringen. Besonders dann, wenn selbst der Bohrhammer keinen Bock mehr hat.

Eines vorab: Das kommt in den besten Familien vor! So eine Wand kann einen schon einmal auf die Palme bringen. Besonders dann, wenn selbst der Bohrhammer keinen Bock mehr hat. Aber auch das Problem ist lösbar, denn meistens ist es einfach nur ein Verständnisproblem.

Ich bin selbst schon oft wie der Sprichwörtliche „Ochs vorm Berg“ oder vielmehr vor der Wand gestanden. Denn ich habe lange nicht verstanden, dass Wand und Wand nicht dasselbe sein müssen und diese auch das jeweils passende Werkzeug erfordern.

Wie erkenne ich das Mauerwerk

Wenn du nicht weißt, mit was für einer Wand du es gerade zu tun hast, wird es schwer sein, das richtige Werkzeug zu nutzen. Klingt logisch, oder? Aber genau daran scheitert es oft.

Baumaterial für Mauern gibt es wirklich viele. Als Laie da durchzublicken zu wollen, ist nicht einfach und die Sache entpuppt sich schnell wieder als Wissenschaft für sich. Darauf hat natürlich keiner Lust. Darum machen wir uns das einfach und ordnen das zuerst grob ein.

Generell ist es so, das die Wände nicht zwingend überall gleich sind.

Außen und Innenwände sind zwei Paar Schuhe und die Trennwände von Wohnungen können aus den widerlichsten Betongemischen bestehen. Decken haben es auch gerne faustdick hinter den Ohren.

Probieren geht über studieren.

Wenn du schon am Bohren warst, hast du sicher schon ein wenig bohrstaub „produziert“.

  • Ist der Bohrstaub weiß und sandig, also feinkörnig? Dann ist es vermutlich Kalksandstein.
  • Der Bohrstaub von Porenbeton ist auch hell, aber feiner und fühlt sich etwas „feucht/schmierig“ an.
  • Ist der Staub hingegen rot, dann hast du es mit einer Ziegelwand zu tun.
  • Klebt das Zeug verbissen am Bohrer, ist es eine Gipswand und mich würde es interessieren, wie du es schaffst, da kein Loch hineinzubekommen. :)

Für eine halbwegs begabte und mit einem Steinbohrer bestückte Bohrmaschine, sollte diese Wände also kein Problem sein.

Ist schon die Bohrprobe eine Herausforderung, dann hast du es unter Umständen mit einer harten Betonwand / Betondecke oder Hartbrand-Ziegel (Klinker) zu tun.

Die Fälle gehen wir dann später durch.

Wie denn auch sei. Hast du schon Probleme mit den „weichen“ Wänden? Dann solltest du dir erstmal dein Werkzeug anschauen.

Das richtige Werkzeug

Beginnen wir mit dem Bohrer. Was hast du für einen eingespannt? Wenn er nicht so ähnlich aussieht wie das Ding hier, dann haben wir ein Problem! :)

Mit dem Steinbohrer loch in Beton bohren. Geht das?

Die erste Wahl für eine „Steinwand“ ist tatsächlich auch ein Steinbohrer!

Nicht lachen, ich kenne leute die eine Wand mit Holzbohrern beackern. Also psst..! :)

Einfache Steinbohrer haben zwei Schneiden. Sind diese Schneiden stumpf, dann hast du den richtigen in der Hand. Sind sie dagegen geschliffen, bist du unter umständen dabei einen Ziegelbohrer zu killen.

Und schau dir einmal die Bohrerspitze an. Ist diese bläulich verfärbt? Dann wurde es dem Bohrer zu warm und er ist Altmetall. In dem Fall dann weg mit.

Und wenn wir grade dabei sind: Finger weg von dem Bohrer aus der Grabbelkiste des Discounters!

Nein, du wirst damit keinen Spaß haben und ja, auch wenn man nur ein Loch im Jahr bohrt. Ist ein Erfahrungswert. :)

Hast du einen Steinbohrer zur Hand, dann spanne den ein. Ansonsten warte noch und lese den Artikel bis zum Ende durch. Es kann nämlich sein, dass du einen ganz anderen Bohrer brauchst.

Bist du dir aber sicher, dass es keine Betonwand und kein Hartbrandziegel ist, dann versuch es mit einem Steinbohrer noch einmal, sofern du beim ersten Versuch keinen verwendet hast.

Schalte aber die Schlagfunkion der Maschine aus, falls diese an ist. Ich würde dir generell raten, immer zuerst ohne Schlagfunktion ein Stück weit anzubohren. Den Schlag also erst später zuschallten, falls er nötig ist.

So hast du, bei zweischneidigen Bohrern, auch gleich etwas Führung. Das erleichtert das Anbohren und schont den Ziegel.

Und Entlüfte regelmäßig beim Bohren mit solchen Bohrern!

Unter „Entlüften“ versteht man das gelegentliche herausziehen des Bohrers, während des Bohrvorganges. Dabei wird der Abtransport des Bohrmehls unterstützt. Ganz wichtig: Die Maschine dabei nicht anhalten!

Wann Schlag, wann nicht?

Die meisten moderneren Wand-Materialien benötigen keinen Schlag. Da wir Laien meist nicht wissen, womit wir es genau zu tun haben, sollten wir im Zweifel es zuerst ohne Schlag-Funktion versuchen.

Bei manchen Materialien ist der Schlag sogar tabu. Hohlziegel zum Beispiel.

Wie der Name andeutet: Die Dinger sind hol. Haben also mehrere Kammern im Inneren, die z.B. für die Dämmung wichtig sind. Dort besteht sogar die Gefahr, dass du beim Bohren den Steg der Ziegel zerstörst.

Es gibt übrigens sogar spezielle Steinbohrer für Ziegel, die keinen „Schlag“ vertragen. Diese Bohrer haben angeschliffene Schneiden.

Hohlziegel erkennst du recht einfach: Wenn der Bohrer beim Bohren ruckartig durch das Material stößt, hast du es mit einem zu tun.

Auch Hartbrandziegel (Klinker) werden ohne Schlag gebohrt, aber es ist ein Betonbohrer nötig. Auf den komme ich später zu sprechen. Porenbeton ist auch ein solcher Kandidat, bei dem du mit Gefühl zu Sache gehen solltest.   

Bei Wänden aus Vollbaustoffen wie z.B. Kalksandstein oder Vollziegel und einfachen Beton kannst du den schlag natürlich einschalten.

Kommt die Maschine trotz schlag und Steinbohrer nicht vorwärts, dann müssen wir andere Geschütze auffahren.

Die Betonwand

Hat der Beton einen guten Tag, kann er dir selbst mit zugeschalteter Schlag-Funktion und einem Steinbohrer das Leben zur Hölle machen.

Denn in solche Betonmischungen können die unterschiedlichsten Zuschlagstoffe enthalten sein. Also neben Zement und Wasser zusätzliche Füllstoffe, die dem Beton die verschiedensten Eigenschaften verleihen können.

Von porös bis Fort Knox ist alles möglich. Es braucht dich also nicht überraschen, wenn es hier zu Problemen kommt.

Wenn du nun nicht gerade in Stahlbeton bohrst, dann könnte es hier am Bohrer liegen. Steinbohrer und Betonbohrer unterscheiden sich nämlich ein bisschen.

Die Hartmetallplatte von Steinbohrer sind etwas dünner und weniger massiv am Bohrer Schaft gestützt. Betonbohrer sind da eine Spur massiver. Da gibt es die verschiedensten Varianten.

Wenn du also mit dem Steinbohrer und zugeschaltetem Schlag hier nicht weiter kommst, besorge dir einen Betonbohrer.

Hast du aber bereits einen guten Betonbohrer im Einsatz, dann hilft alles nichts. Du musst die Maschine wechseln.

Die Schlagbohrmaschine hat dann einfach keine Chance. Wir brauchen dann mehr Schlagkraft!

Ein Bohrhammer ist hier dann das Werkzeug der Wahl.

Wenn du nicht weißt was, ein Bohrhammer ist oder du im Allgemeinen nicht sehr erfahren mit Bohrmaschinen bist, dann solltest du dir diesen Bohrmaschine-Ratgeber für Anfänger ansehen!

Der Endgegner: Stahlbeton

Wird Beton mit einer Bewehrung versehen, kann dessen Tragfähigkeit stark erhöht werden. Dabei wird dem Beton zusätzliche Stoffe beigefügt. Da kann alles mögliche beigemischt werden.

Die bekannteste Bewehrung, auch bekannt als Armierung, sind in Form gebrachte Gitter aus Stahlstäben. Und genau auf diese Stahlstäbe kann man beim Bohren treffen.

Dann hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du brichst ab und versetzt die Bohrung an eine andere Stelle oder du durchbohrst die Armierung.

Armierung durchbohren

Eines Vorweg- das Durchbohren einer Armierung ist nicht ohne. Schließlich wurden die nicht aus Spaß an der Freude im Beton versenkt. Wenn du also vorhast einen Schweizer-Käse aus deiner Wand oder der Decke zu machen, dann frag vorher einen Statiker.

In einer Mietwohnung würde ich die Finger davon lassen. Man sagt zwar Armierungen dürfen angebohrt, aber nicht vollständig durchbohrt werden. Ich würde mir das jedoch immer erst zweimal überlegen.

Gibt es hier keine Bedenken, dann Feuer frei!

Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Der Profi verwendet spezielle Armierungs-Bohrer (Rebar Cutter). Die können Stahlarmierungen „vernaschen“.

Daneben gibt es auch noch die Hammerbohrer.

Welchen Hammerbohrer für Stahlbeton?

Für den Heimwerker bieten sich „getunte“ Hammerbohrer aber auch an. Es gibt sie von vielen Herstellern und in den unterschiedlichsten Ausführungen und Preisklassen.

Von welchem Hersteller die nun sind, ist egal. Wichtig ist nur, dass sie auch in der Lage sein müssen, Armierungen (an)zu bohren. Das wird meist explizit angegeben.

Mit Hammerbohrer meinen wir Bohrer für Borhammer! Diese Bohrer werden nicht in normale Schlagbohrmaschinen verwendet.

Beruflich hatte ich Kontakt mit den üblichen Verdächtigen der Firma Hilti. Muss aber nicht sein. Privat verwende ich oft die SDS-plus-7X von Bosch. Preis-Leistung passt bei denen recht gut.

Die Trijet von Heller sind auch noch recht bekannt. Mit diesen habe ich aber selbst nie gearbeitet. Ich finde sie für den gelegentlichen Gebrauch auch zu teuer.

Generell ist es aber so, dass „Streifschüsse“ gut und problemlos über die Bühne gehen. Bei Volltreffern, also wenn das Durchbohren der Armierung ansteht, kommen auch diese Bohrer an ihre Grenzen.

Betonbohrer am Limit
Bohrer sind Verbrauchsmaterial. Pampern also unnötig!

Ich weiß, in den Werbevideos der Hersteller funktioniert das wunderbar. Aber persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass besonders kleinere Bohrdurchmesser gerne kapitulieren. Sprich, der Bohrkopf verwandelt sich in sowas wie Schlacke…

Tutorial: Wie man in armierten Beton bohrt #HellerTV #Trijet #Hammerbohrer
Dieses Video ansehen auf YouTube.

Es ist also nicht ungewöhnlich, wenn bei solchen Nummern ein paar Bohrer hopsgehen!

Oder ich stelle mich einfach selbst zu blöd an. Kann natürlich auch sein. Lasst es mich in den Kommentaren wissen! :)

Armierung mit dem HSS Metallbohrer bohren

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit Armierungen, ohne die oben genannten Hammerbohrer, zu knacken.

Von der Methode halte ich aber absolut nichts.

Zuerst wollte ich sie darum verschweigen. Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen und Tante Google, hätte dich garantiert auch darauf gebracht.

Also nutze ich die Gelegenheit, um auf einige Probleme dieser Methode hinzuweisen.

Legen wir los:

  • Betonbohrer in die Schlagbohrmaschine einspannen, falls du keinen Bohrhammer hast.
  • Den Schlag zuschalten und bis zur Armierung runter Bohren.
  • Anschließend einen normalen HSS Metallbohrer einspannen und die Armierung damit beackern.

Tönt doch simpel, oder? Wozu also teuer Bohrer kaufen? :) Weil… OK, fangen wir bei der Armierung an.

Die Armierung sind im Prinzip einfach nur Stahlstangen. Jetzt ist es so, dass runde Stangen an sich nicht die beste Oberfläche bieten, um mit Beton eine gute Verbindung einzugehen. Also wird die Oberfläche der Eisenstangen optimiert.

Du hast das sicher schon einmal gesehen. Das sind diese „Rippen“ auf der Oberfläche dieser Stangen.

Von Trissi1234 -- Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45196150

Alleine diese Rippen können schon richtig fies werden. Denn die lieben es, Bohrer an sich zu ketten. Kommt ein normaler Bohrer zwischen Beton und die Armierung wird es interessant.

  • Die Bohrer können verklemmen. Ich habe schon einige „beerdigen“ müssen, weil sie sich einfach nicht mehr lösen ließen.
  • Die Maschine kann es einem Aus der Hand schlagen. Hochwertige Maschinen haben zwar einen Schutz gegen sowas. Mein einfacher Schlagbohrer aber nicht. Tat weh…
  • Der Bohrer verläuft so stark, dass man hinterher keinen Dübel mehr hineinbekommt.
  • Bohrer abbrechen geht auch schneller, als man denkt.

Um einen verklemmten Bohrer zu lösen, hilft es oft den Rückwärtsgang, also die Drehrichtung zu ändern und den Bohrer dann vorsichtig herauszuziehen.

Fazit

Wenn es sich vermeiden lässt, mach einen Bogen um die Armierung. Es gibt diverse Ortungsgeräte, die einem helfen Hindernisse in den Wänden zu orten.

Wenn du so ein Gerät nicht oft brauchst, dann versuche dir eines bei wem zu leihen. Du glaubst nicht, wie viele Leute die ungenutzt im Keller herumliegen haben.

Manchmal hat man aber einfach keine Wahl. Die Bohrung muss an genau diese Stelle. Dann muss man schlimmstenfalls einige Bohrer opfern. Ist halt so.

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