Was ist VA / V2A / V4A, Inox, Niro, rostfreier Edelstahl & Co.?

Wer keinerlei Vorkenntnisse in Sachen „Stahlkunde“ hat, sollte bei den obigen Begriffen einen sehr ausgeprägten Fluchtreflex verspüren.

Das muss so sein, alles andere wäre unnatürlich! 🙂

Was ist VA Stahl eigentlich?

Mit den Begriffen VA, V2A, V4A, Inox, rostfreier Edelstahl & Co. ist meistens ein und dieselbe Stahlsorte gemeint; nämlich einen Chrom-Nickel-Stahl.

Diese Stähle sind umgangssprachlich auch als VA-Stähle bekannt.

Bei den genannten Bezeichnungen handelt es sich also grob vereinfacht, um ein und dieselbe Stahlsorte. Und zwar um eine Edelstahlsorte!

Hast du ein paar Minuten Zeit? Dann würde ich mich freuen, wenn du an einer kleinen Umfrage teilnehmen würdest. Damit würdest du dabei helfen 5gerade.de zu verbessern!

Was ist Edelstahl eigentlich?

Edelstahl ist nur ein Oberbegriff!

Edelstahl existiert nicht als Rohstoff, den man einsatzbereit wo ausgräbt. Das Zeug wird „künstlich“ aus den verschiedensten Stoffen (Legierung) hergestellt.

Edelstähle können also die verschiedensten Eigenschaften haben.

Es gibt über 100 gängige (!) Edelstahlsorten.

laut Tante Google Inc.

Den Begriff „Edelstahl“ stellst du dir also am besten wie eine Produktgruppe vor. Ähnlich wie die Produktgruppe „Computer“. Mit so einem „Computer“ kann alles Mögliche gemeint sein. Laptop, PC, Mac, usw.

Alles irgendwie ähnlich, aber dennoch nicht dasselbe…

Es gibt also Edelstahlsorten mit den unterschiedlichsten Eigenschaften.

Auf dieses Thema aber zu Detailliert einzugehen, würde diesen Blogbeitrag natürlich völlig sprengen. Wir wollen schließlich kein Studium beginnen.

Außerdem möchte ich euch nicht allzu sehr mit Werkstoffnummern, Normen und Co. langweilen.

Dennoch ist es hilfreich, wenn man versteht, was es mit diesen Stählen auf sich hat! Andernfalls wird bei dem Versuch, dieses Material zu bearbeiten, sehr schnell Frust aufkommen.

Aus dem Grund gehen wir einfach einmal die, für uns Heimwerker interessanten, Stahlsorten durch.

Unterschied Edelstahl & normaler Stahl?

Vereinfacht ausgedrückt: Edelstahl ist reiner. Er hat einen Schwefel- und Phosphorgehalt von weniger als 0,025 % und gilt so als besonders „rein“.

Was ist Rostfreier „Edelstahl“?

Generell ist es so, dass wenn wir Heimwerker von Edelstahl sprechen, wir damit meistens einen der nicht rostenden Edelstahlsorten meinen.

Solchen Stählen wurde Chrom und Nickel zugesetzt, welche ihnen eine Korrosion (Rost) und Säurebeständigkeit verleiht.

Handwerker / die Metaller bezeichnen nicht rostende Stähle umgangssprachlich auch einfach als „Chromstahl“.

Diese Chrom-Nickel-Stähle firmieren unter den verschiedensten Namen. Gängige Bezeichnungen sind beispielsweise: VA Stähle (V2A/V4A/V5A…), Stainless, rostfreier (Edel)stahl, Chromstahl oder Inox.

Bei diesen Bezeichnungen handelt es sich entweder um Handels / Markennamen oder um Bezeichnungen die zwar veraltet (VA Stähle) sind, aber umgangssprachlich noch immer benutzt werden.

Der Begriff VA-Stahl ist nur ein umgangssprachlicher Überbegriff für die Stahltypen V2A, V4A, V5A, usw…

Beide Bezeichnungen sind umgangssprachlich etabliert. Darum verwende ich diese auch weiterhin. Ebenso gehe ich nur auf die gängigsten VA-Sorten ein.

Eigenschaften von VA-Stahl

Alle VA Stähle haben eines gemeinsam: Sie bilden, ähnlich wie Aluminium, eine Oxidschicht (Passivschicht). Diese Schicht schützt den Stahl vor Korrosion (Rost) und chloridhaltigen Medien (säurebeständig).

VA Stähle sind mit allen gängigen Schweißverfahren gut Schweiß- und verformbar (Abkanten, Tiefziehen, usw.). Außerdem lässt es sich sehr gut polieren. Verwendet werden VA Stähle z.B. in Fahrzeugen, Geländern, Zäunen, Kochtöpfen oder Spülbecken.

Je nach Einsatzzweck werden diese Stähle leicht verändert, um deren Eignung für besondere Umgebungen (Salzwasser, chemischen Industrie, usw.) weiter zu optimieren.

Alle VA Stähle neigen zur Oberflächen -verfestigung* und weisen eine höhere Zugfestigkeit (Vereinfacht: Härte) auf. Bei deren Bearbeitung müssen also gut geschliffene Werkzeuge verwendet werden.

*Vereinfacht ausgedrückt: Das Material kann z.B. beim Bohren härter werden, während der Bohrer hingegen immer weicher wird. Ein Kreislauf, dessen Ende nur eine Fluchtriade vorsieht…

Darum: Lerne das Material kennen!

V2A (1.4301 & 1.4305)

Lass dich bitte von diesen Nummern in der Überschrift nicht irritieren. Diese Nummern sind einfach nur eine Bezeichnung für diese Stahlsorte. Genauer um eine Werkstoffnummer.

Denn wie sollte es im technischen Bereich auch anders sein, sind auch Stahlsorten genormt. Hinter der Werkstoffnummer „1.4301“ verbirgt sich, vereinfacht ausgedrückt, eine Stahlsorte mit dem Namen „X5CrNi18-10“.

Denk an den obigen „Computervergleich“.

Diesen kryptischen Namen kann man aber schon dessen Chrom (Cr) und Nickel-gehalt (Ni) entnehmen. Genauer brauchen wir darauf aber nicht weiter einzugehen.

Wichtig ist nur, dass du verstehst, dass jede Stahlsorte eine eindeutige Nummer hat. Dies kann dir dabei helfen, den Stahl richtig einzuordnen.

Denn es kommt nicht selten vor das in diversen Produktbeschreibungen nur die umgangssprachlichen Bezeichnungen verwendet werden. Um hier nicht auf die Nase zu fallen, ist es also hilfreich den entsprechenden Verkäufer gezielt nach der Werkstoffnummer zu fragen. Das hilft Missverständnisse zu vermeiden.

Die 1.4301 und der 1.4305 sind jedenfalls die beiden gängigsten Vertreter der rostfreien Edelstähle.

1.4301 / 1.4305 Unterschiede

Der 1.4305 hat ähnliche Eigenschaften wie der 1.4301. Ihm wird jedoch zusätzlich Schwefel zugesetzt. Das verbessert die Zerspanbarkeit. Er lässt sich also besser verarbeiten (bohren, sägen, fräsen usw.).

Diese Verbesserung geht aber auf Kosten der Korrosionsbeständigkeit. Außerdem lässt er sich schlechter umformen.

VA Stahl Unterschiede:

1.4301 1.4305
+ gute Schweißbarkeit + bessere Zerspanbarkeit als der 1.4301
+ hohe Korrosions-beständigkeit – Nicht für die Kaltumformung geeignet
+ gute Verformbarkeit – Verminderte Korrosions-beständigkeit

Vereinfacht zusammengefasst: Der 1.4301 ist Korrosionsbeständiger. Der 1.4305 lässt sich dafür besser bearbeiten.

Sonderfall 1.4307

Du wirst auch oft dem 1.4307 über den Weg laufen. Dieser „universal-VA“ macht es den Händlern etwas einfacher, da er einige VA-Sorten (z.B. 1.4301 oder 14306) ersetzen kann. Das vereinfacht die Lagerhaltung. Generell ist der 1.4301 aber höherwertiger.

V4A (1.4571, 1.4401, usw…)

V4A Stähle sind den V2A sehr ähnlich. Ihnen wird jedoch noch eine kleine Menge Mo (Molybdän) zugesetzt (legiert). Dieser Zusatz macht ihn noch etwas zäher und widerstandsfähiger gegen Korrosion in chloridhaltigen (Chlorwasser, Salzwasser…) Medien.

Vereinfacht zusammengefasst: V4A ist ein Upgrade des V2A, bezüglich seiner Widerstandsfähigkeit gegen aggressiven Medien.

Der Feld & Wiesen-Heimwerker verwendet aber selten V4A Stähle. Für uns ist in den meisten Fällen ein V2A die bessere Wahl.

Unterschied zwischen Chrom und Edelstahl

Solch eine Frage kann eigentlich nur zu Kopfschütteln führen. Beispiel:  VA Stahl ist ein Edelstahl und beinhaltet Chrom. Ist dieser VA Stahl nun primär ein Chrom oder ein Edelstahl?

Um diesen komplett überflüssigen Hirn-Knoten zu lösen:

Lasst euch von solchen Begriffen wie Chrom oder Edelstahl nicht in die Irre führen!

Solche Fragen kommen immer dann auf, wenn beispielsweise in Produktkatalogen, von „Tischen“ mit Chrom oder Edelstahlfüßen gesprochen wird. Hier darf man nie vergessen, dass die Autoren dieser Artikelbeschreibungen oft keinen technischen Hintergrund haben und die ganzen Begriffe gerne durcheinanderwerfen.

Um beim Beispiel des Tischbeines zu bleiben: Ein Tischbein kann aus poliertem Edelstahl bestehen oder einfach nur ein einfacher Baustahl sein, der verchromt wurde. Und bei verchromt meine ich die Oberflächenbehandlung und nicht das Material selbst.

Wie weiter oben schon beschrieben: Wenn ihr Klarheit wollt fragt den Händler nach der genauen Materialnummer!

Lässt sich Edelstahl polieren

Ja, und zwar richtig gut!

Eine der interessantesten Eigenschaften von Edelstahl ist tatsächlich die Möglichkeit, tolle Oberflächenveredelungen anwenden zu können.

Er lässt sich z.B. ausgezeichnet polieren und behält diese Optik auch bei!

Kann rostfreier Stahl rosten?

Wird die Passivschicht eines rostfreien Stahl verletzt, oder etwas hindert den Stahl an der Bildung einer solchen, dann kann auch ein nicht rostender Stahl rosten!

Bedeutet: VA Stähle bilden, ähnlich wie Aluminium eine Oxidschicht (Passivschicht). Verantwortlich dafür ist der Chromanteil in dem Stahl. Diese Schicht schützt den Stahl vor Korrosion (Rost).

Eine solche Passivschicht kann aber nur aufgebaut werden, wenn Sauerstoff an die Oberfläche gelangen kann. Wird diese Oxidschicht beschädigt, gelangt das blanke Metall in Kontakt mit Sauerstoff und es bildet sich automatisch wieder eine neue Schicht.

VA Stahl ist also „selbstheilend“.

Wird aber der Kontakt zur Atmosphäre unterbrochen, kann auch keine neue Schutzschicht aufgebaut werden. Dann kann Korrosion durch Nichtbilden der Passivschicht entstehen.

Rostfreier Stahl kann rosten. Verrosteter VA / Edelstahl Türgriff
Diese hochwertige Griffgarnitur aus Edelstahl sollte nicht rosten. Sie tut es aber trotzdem!

Säuren und Laugen können ebenfalls ein örtliches Durchbrechen der Schutzschicht verursachen. Auch eine Kontaktkorrosion ist beim Zusammentreffen mit anderen metallischen Werkstoffen möglich.

Aus diesem Grund ist es wirklich sehr wichtig, dass man nicht rostende Stähle nie mit den gleichen Werkzeugen bearbeitet, die man zuvor für normale Stähle verwendet hat.

Das gilt für alles Andere auch, das mit dem Stahl in Berührung kommen kann. Sogar für Handschuhe!

Stelle dir die Eisenpartikel einfach als ein Virus vor, der den rostfreien Stahl infizieren kann. Halte also eine bestimmte „Hygiene“ ein.

Außerdem schadet es nicht, wenn man jede Schnittkante sauber verschleift. Dieses Schleifen erhöht auch die Korrosionsbeständigkeit, denn je feiner eine Oberfläche geschliffen wird, desto höher ist die Korrosionsbeständigkeit.

Ist (Rostfreier) Edelstahl besonders hart oder zäh?

Nein, ist er nicht.

Im Vergleich zu den meisten unlegierten Baustählen hat rostfreier Edelstahl, also die erwähnten VA-Stähle, zwar eine Höhere Zugfestigkeit; das trifft aber nicht pauschal auf alle Edelstahl-Sorten zu.

Beispiel: der unlegierte Baustahl 1.0070 übertrifft in Sachen Zugfestigkeit* einige VA-Stähle.

Die Frage nach der „Härte“ des Stahles ist aber alles andere als unsinnig. Spätestens, wenn du mit einem Holzbohrer auf einen hochfesten Einsatzstahl losgehst.

Muss man unbedingt mal gemacht haben, ist wirklich sehr lehrreich!

D.h., dass wir auch einen passenden Bohrer benötigen. Aber woher weiß ich nun welcher Bohrer passt und welcher nicht?

Abgesehen davon, dass es ein Metallbohrer sein sollte, ist es auch wichtig wie widerstandsfähig unser Stahl ist.

Dazu gibt es sogar eine Kennzahl: die Zugfestigkeit

Angegeben wird die Zugfestigkeit in Newton pro Quadratmillimeter und sie beschreibt ein Festigkeitsverhalten von Materialien.

Wenn ich bis jetzt von „härte“ gesprochen habe, ist damit indirekt die Zugfestigkeit gemeint. Damit wollte ich die Sache einfach etwas vereinfachen und euch nicht mit zu vielen Fachausdrücken nerven.

Zugfestigkeit gängiger Stahlsorten

Um also den passenden Werkzeug für das jeweilige Material auswählen zu können, ist es gut zu wissen, mit welcher Zugfestigkeit wir es eigentlich zu tun haben.

Umgangssprachlich Edelstahl Rostfrei Werkstoff-Nummer Zugfestigkeit (N/mm²)
Baustahl (St37) Nein Nein 1.0037 400
Baustahl (St50) Nein Nein 1.0050 500
Baustahl (St70) Nein Nein 1.0070 700
Biegedraht Nein Ja 1.4511 500
V2A Ja Ja 1.4301 600
V2AJaJa1.4307550
V2A Ja Ja 1.4305 500
V2A (Extra) Ja Ja 1.4541 500
V4A Ja Ja 1.4571 550
V4A Ja Ja 1.4429 600
V4A Ja Ja 1.4401 550
Beskar Nein Ja 0.0042 640480
Die Daten stammen aus den verschiedensten Quellen und bilden nur eine grobe Schnittmenge.

Wie du der Tabelle entnehmen kannst, sind viele VA-Stähle „härter“ als die meisten einfachen Baustähle.

Wenn du z.B. ein Loch in einen Chromstahl bohren möchtest, dann solltest du dazu auch einen Bohrer wählen, der die rund 600 N/mm² verträgt.

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Weitere Quellen & Infos

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