Löcher in rostfreien Edelstahl Bohren. Mit Video!

Früher oder später kommt der Moment, in dem wir Heimwerker auch rostfreien Edelstahl bearbeiten müssen. Bei vielen scheint das Wörtchen „Edelstahl“ aber blanke Panik auszulösen. Anders kann ich mir die vielen, manchmal ausufernden, Forenbeiträge zu diesem Thema nicht erklären. Dabei ist die Sache doch eigentlich ganz einfach!

Der übliche rostfreie Edelstahl ist kein Material „aus fremden Welten“. Er kann wie jeder normale Stahl bearbeitet werden. Alles was wir dazu brauchen ist ein passender Bohrer, die richtigen Drehzahlen, ein gutes Kühlschmiermittel und etwas Muskelkraft zum Drücken.


Dieser Beitrag ist für den Heimwerker geschrieben!


Wenn du es eilig hast und nur ganz schnell an ein Ergebnis kommen möchtest, dann lese einfach die Kurzfassung.

Verschleißt du jedoch am laufenden Band Bohrer und deine Stimme ist von dem ganzen Fluchen schon heiser, dann komm erst einmal runter, hol dir einen Kaffee und mache es dir gemütlich…

Sollte dir das Projekt gefallen haben, würde ich mich sehr über ein Kommentar oder ein Abo von dir freuen!

Eines vorab

Zuerst muss ich eines gestehen: Anfangs wollte ich einen Artikel zum Thema rostfreie Edelstähle schreiben!

Das Problem: so ein trockenes Thema nur theoretisch abzuarbeiten, ist wirklich nur was „Genießer“. Kein Mensch will irgendetwas von Legierungen, Normen oder irgendwelche Zugfestigkeiten hören.

Absolut verständlich!

Edelstahl bohren ist eigentlich keine Raketentechnik!

Aber spätestens, wenn man versucht solche Stähle zu verarbeiten, kommen ganz schnell Fragen auf, bei denen man als Heimwerker an gewisse Verständnisgrenzen stößt. Ja, Tante Google weiß alles über Edelstahl…

Das Problem ist aber, dass die meisten dieser Artikel sehr stark Fachbezogen sind.

Also viele (Detail) Information mit denen wir Heimwerker nichts anfangen können und oft auch keine Lust dazu haben. Es fehlt oft einfach der praktische Bezug.

Aber Löcher in rostfreien Stahl bohren, ist eine Aufgabe, die fast jedem Heimwerker früher oder später begegnen werden.

Also alles andere als praxisfern!

Was ist VA / V2A / V4A, Inox, rostfreier Edelstahl & Co.?

Wer keinerlei Vorkenntnisse in Sachen „Stahlkunde“ hat, sollte bei den obigen Begriffen einen sehr ausgeprägten Fluchtreflex verspüren. Das muss so sein, alles andere wäre unnatürlich! :-)

Lösen wir also zuerst diesen Gedanken-Knoten: bei den oben genannten Bezeichnungen handelt es sich, grob vereinfacht, um ein und dieselbe Stahlsorte.

Und zwar einer Edelstahlsorte!

Was ist Edelstahl eigentlich?

Edelstahl ist nur ein Oberbegriff! Edelstahl existiert nämlich nicht als Rohstoff, den man einsatzbereit wo ausgräbt. Das Zeug wird „künstlich“ aus den verschiedensten Stoffen (Legierung) hergestellt. Edelstähle können also die verschiedensten Eigenschaften haben.

Es gibt über 100 gängige (!) Edelstahlsorten.

Den Begriff „Edelstahl“ stellst du dir also am besten wie eine Produktgruppe vor. Ähnlich wie die Produktgruppe „Computer“. Mit so einem „Computer“ kann alles Mögliche gemeint sein. Laptop, PC, Mac, usw. Alles irgendwie ähnlich, aber dennoch nicht dasselbe…

Es gibt also Edelstahlsorten mit den unterschiedlichsten Eigenschaften.

Auf dieses Thema aber genauer einzugehen, würde diesen Blogbeitrag aber völlig sprengen. Wir wollen schließlich nur ein Loch bohren und kein Studium beginnen. Außerdem möchte ich euch nicht allzu sehr mit Werkstoffnummern, Normen und Co. langweilen.

Dennoch ist es hilfreich, wenn man versteht, was es mit diesen Stählen auf sich hat!

Andernfalls wird bei dem Versuch, dieses Material zu bearbeiten, sehr schnell Frust aufkommen. Aus dem Grund gehen wir einfach einmal die, für uns Heimwerker interessanten, Stahlsorten durch.

Was ist Rostfreier „Edelstahl“?

Generell ist es so, dass wenn wir Heimwerker von Edelstahl sprechen, wir damit meistens einen der rostfreien Edelstahlsorten meinen.

Solchen Stählen wurde Chrom und Nickel zugesetzt, welche ihnen eine Korrosion (Rost) und Säurebeständigkeit verleiht.

Diese Chrom-Nickel-Stähle firmieren unter den verschiedensten Namen. Gängige Bezeichnungen sind beispielsweise: VA Stähle (V2A/V4A), Stainless, rostfreier (Edel)stahl, Chromstahl oder Inox.

Bei diesen Bezeichnungen handelt es sich entweder um Handels / Markennamen oder um Bezeichnungen die zwar veraltet (VA Stähle) sind, aber umgangssprachlich noch immer benutzt werden. Grundsätzlich beschreiben diese aber ein und dieselben Stahlsorten. Nämlich die V2A und den V4A Stähle.

Der Begriff VA-Stahl ist ein Überbegriff für die Stahltypen V2A und V4A.

Beide Bezeichnungen sind umgangssprachlich etabliert. Darum verwende ich diese auch weiterhin. Ebenso gehe ich nur auf die gängigsten VA-Sorten ein.

Eigenschaften von VA-Stahl

Alle VA Stähle haben eines gemeinsam: Sie bilden, ähnlich wie Aluminium, eine Oxidschicht (Passivschicht). Diese Schicht schützt den Stahl vor Korrosion (Rost) und chloridhaltigen Medien (säurebeständig).

VA Stähle sind mit allen gängigen Schweißverfahren gut Schweiß- und verformbar (Abkanten, Tiefziehen, usw.). Außerdem lässt es sich sehr gut polieren. Verwendet werden VA Stähle z.B. in Fahrzeugen, Geländern, Zäunen, Kochtöpfen oder Spülbecken. Je nach Einsatzzweck werden diese Stähle leicht verändert, um deren Eignung für besondere Umgebungen (Salzwasser, chemischen Industrie, usw.) weiter zu optimieren.

Alle VA Stähle neigen zur Oberflächen -verfestigung* und weisen eine höhere Zugfestigkeit (Vereinfacht: Härte) auf. Bei deren Bearbeitung müssen also gut geschliffene Werkzeuge verwendet werden.

*Vereinfacht ausgedrückt: Das Material kann beim Bohren härter werden, während z.B. der Bohrer immer weicher wird. Ein Kreislauf, dessen Ende nur eine Fluchtriade vorsieht…

Darum: Lerne das Material kennen!

V2A (1.4301 & 1.4305)

Lass dich bitte von diesen Nummern in der Überschrift nicht irritieren. Diese Nummern sind einfach nur eine Bezeichnung für diese Stahlsorte. Genauer um eine Werkstoffnummer.

Denn wie sollte es im technischen Bereich auch anders sein, sind auch Stahlsorten genormt. Hinter der Werkstoffnummer „1.4301“ verbirgt sich, vereinfacht ausgedrückt, eine Stahlsorte mit dem Namen „X5CrNi18-10“.

Denk an den obigen „Computervergleich“.

Diesen kryptischen Namen kann man aber schon dessen Chrom (Cr) und Nickel-gehalt (Ni) entnehmen. Genauer brauchen wir darauf aber nicht weiter einzugehen. Wichtig ist nur, dass du verstehst, dass jede Stahlsorte eine eindeutige Nummer hat. Dies kann dir dabei helfen, den Stahl richtig einzuordnen.

Denn es kommt nicht selten vor das in diversen Produktbeschreibungen nur die umgangssprachlichen Bezeichnungen verwendet werden. Um hier nicht auf die Nase zu fallen, ist es also hilfreich den entsprechenden Verkäufer gezielt nach der Werkstoffnummer zu fragen. Das hilft Missverständnisse zu vermeiden.

Die 1.4301 und der 1.4305 sind jedenfalls die beiden gängigsten Vertreter der rostfreien Edelstähle.

1.4301 / 1.4305 Unterschiede

Der 1.4305 hat ähnliche Eigenschaften wie der 1.4301. Ihm wird jedoch zusätzlich Schwefel zugesetzt. Das verbessert die Zerspanbarkeit.

Sprich: er lässt sich besser verarbeiten (bohren, sägen, fräsen usw.). Diese Verbesserung geht aber auf Kosten der Korrosionsbeständigkeit. Außerdem lässt er sich schlechter umformen.

VA Stahl Unterschiede:

1.4301 1.4305
+ gute Schweißbarkeit+ bessere Zerspanbarkeit als der 1.4301
+ hohe Korrosions-beständigkeit– Nicht für die Kaltumformung geeignet
+ gute Verformbarkeit– Verminderte Korrosions-beständigkeit

Vereinfacht zusammengefasst: Der 1.4305 ist Korrosionsbeständiger. Der 1.4301 lässt sich dafür besser bearbeiten.

V4A (1.4571, 1.4401, usw…)

V4A Stähle sind den V2A sehr ähnlich. Ihnen wird jedoch noch eine kleine Menge Mo (Molybdän) zugesetzt (legiert). Dieser Zusatz macht ihn noch etwas zäher und widerstandsfähiger gegen Korrosion in chloridhaltigen (Chlorwasser, Salzwasser…) Medien.

Vereinfacht zusammengefasst: V4A ist ein Upgrade des V2A, bezüglich seiner Widerstandsfähigkeit gegen aggressiven Medien.

Der Feld & Wiesen-Heimwerker verwendet aber selten V4A Stähle. Für uns ist in den meisten Fällen ein V2A die bessere Wahl.

Kein VA-Stahl, aber dennoch nichtrostend?

Wie oben schon beschrieben, wird der Begriff „VA-Stahl“ nur umgangssprachlich für einige bestimmte Stahlsorten verwendet. Es gibt also noch weitere Stahlsorten die nicht rosten.

Beispiel: 1.4511. Dieser rostfreie Stahl wird oft zu Drähten verarbeitet.

Ein Edelstahl muss außerdem nicht zwangsläufig ein korrosionsbeständiger Stahl sein!

Unterschied zwischen Chrom und Edelstahl

Solch eine Frage kann eigentlich nur zu Kopfschütteln führen. Beispiel:  VA Stahl ist ein Edelstahl und beinhaltet Chrom. Ist dieser VA Stahl nun primär ein Chrom oder ein Edelstahl?

Um diesen komplett überflüssigen Hirn-Knoten zu lösen:

Lasst euch von solchen Begriffen wie Chrom oder Edelstahl nicht in die Irre führen!

Solche Fragen kommen immer dann auf, wenn beispielsweise in Produktkatalogen, von „Tischen“ mit Chrom oder Edelstahl-füßen gesprochen wird. Hier darf man nie vergessen, dass die Autoren dieser Artikel-beschreibungen oft keinen technischen Hintergrund haben und die ganzen Begriffe gerne durcheinanderwerfen.

Um beim Beispiel des Tischbeines zu bleiben: Ein Tischbein kann aus poliertem Edelstahl bestehen oder einfach nur ein einfacher Baustahl sein, der verchromt wurde. Und bei verchromt meine ich die Oberflächenbehandlung und nicht das Material selbst.

Wie weiter oben schon beschrieben: Wenn ihr Klarheit wollt fragt den Händler nach der genauen Materialnummer!

Kann rostfreier Stahl rosten?

Das klingt jetzt zwar widersprüchlich, aber auch rostfreier Stahl kann rosten! Wie eingangs schon beschrieben, bilden VA Stähle ähnlich wie Aluminium, eine Oxidschicht (Passivschicht). Verantwortlich dafür ist der Chromanteil in dem Stahl. Diese Schicht schützt den Stahl vor Korrosion (Rost).

Eine solche Passivschicht kann aber nur aufgebaut werden, wenn Sauerstoff an die Oberfläche gelangen kann. Wird diese Oxidschicht beschädigt, gelangt das blanke Metall in Kontakt mit Sauerstoff und es bildet sich automatisch wieder eine neue Schicht. VA Stahl ist also „selbstheilend“.

Wird aber der Kontakt zur Atmosphäre unterbrochen, kann auch keine neue Schutzschicht aufgebaut werden. Dann kann Korrosion durch Nichtbilden der Passivschicht entstehen. Säuren und Laugen können ebenfalls ein örtliches Durchbrechen der Schutzschicht verursachen. Auch eine Kontaktkorrosion ist beim Zusammentreffen mit anderen metallischen Werkstoffen möglich.

Aus diesem Grund ist es wirklich sehr wichtig, dass man nicht rostende Stähle nie mit den gleichen Werkzeugen bearbeitet, die man zuvor für normale Stähle verwendet hat.

Stelle dir die Eisenpartikel einfach als ein Virus vor, der den rostfreien Stahl infizieren kann. Halte also eine bestimmte „Hygiene“ ein.

Außerdem schadet es nicht, wenn man jede Schnittkante sauber verschleift. Dieses Schleifen erhöht auch die Korrosionsbeständigkeit, denn je feiner eine Oberfläche geschliffen wird, desto höher ist die Korrosionsbeständigkeit.

Ist (Rostfreier) Edelstahl besonders hart oder zäh?

Nein, ist er nicht. Im Vergleich zu den meisten unlegierten Baustählen hat rostfreier Edelstahl, also die erwähnten VA-Stähle, zwar eine Höhere Zugfestigkeit. Das trifft aber nicht pauschal auf alle Edelstahl-Sorten zu.

Beispiel: der unlegierte Baustahl 1.0070 übertrifft in Sachen Zugfestigkeit* locker VA-Stähle.

Die Frage nach der „Härte“ des Stahles ist aber alles andere als unsinnig. Spätestens, wenn du mit einem Holzbohrer auf einen hochfesten Einsatzstahl losgehst.

Muss man unbedingt mal gemacht haben, ist wirklich sehr lehrreich!

D.h., dass wir auch einen passenden Bohrer benötigen. Aber woher weiß ich nun welcher Bohrer passt und welcher nicht?

Abgesehen davon, dass es ein Metallbohrer sein sollte, ist es auch wichtig wie widerstandsfähig unser Stahl ist.

Dazu gibt es sogar eine Kennzahl: die Zugfestigkeit*

*Angegeben wird die Zugfestigkeit in Newton pro Quadratmillimeter. Wenn ich bis jetzt von „härte“ gesprochen habe, ist damit eigentlich die Zugfestigkeit gemeint. Damit wollte ich die Sache einfach etwas vereinfachen und euch nicht mit zu vielen Fachausdrücken nerven.

Zugfestigkeit (härte) gängiger Stahlsorten

Um also den passenden Bohrer für das jeweilige Material auswählen zu können, ist es unabdingbar zu wissen, mit welchen Zugfestigkeiten wir es eigentlich zu tun haben.

Umgangssprachlich Edelstahl Rostfrei Werkstoff-Nummer Zugfestigkeit (N/mm²)
Baustahl (St37) Nein Nein 1.0037 400
Baustahl (St50) Nein Nein 1.0050 500
Baustahl (St70) Nein Nein 1.0070 700
Biegedraht Nein Ja 1.4511 500
V2A Ja Ja 1.4301 550
V2A Ja Ja 1.4305 500
V2A (Extra) Ja Ja 1.4541 500
V4A Ja Ja 1.4571 550
V4A Ja Ja 1.4429 600
V4A Ja Ja 1.4401 550
Duritanium Nein Ja 0.0042 256640
Die Daten stammen aus den verschiedensten Quellen und bilden nur eine grobe Schnittmenge.

Wie du der Tabelle entnehmen kannst, sind normale VA-Stähle härter, als die meisten einfachen Baustähle.

Lass dich davon aber bitte nicht zu sehr beeindrucken. Denn wir sind hier in einem Bereich, indem eigentlich noch kein Spezialbohrer benötigt wird. Dazu aber später mehr.

Bei den gängigen VA Stählen haben wir es also mit einer Zugfestigkeit von 500-600 N/mm² zu tun.

Welcher Bohrer für Edelstahl?

Dass er zum Bohren von VA-Stahl einen Metallbohrer benötigen, sollte eigentlich selbsterklärend sein. Metallbohrer gibt es in drei Ausführungen bzw. drei Typen. In unserem Fall benötigen wir den Typ N oder H.

HSS Bohrer

Die meisten handelsüblichen Bohrer werden aus Werkzeugstahl gefertigt. Einem sogenannten Schnell-arbeitsstahl.

Und genau daraus leitet sich auch die Abkürzung HSS ab. Gute HSS Bohrer schaffen unter optimalen (!) Bedingungen, Stähle mit einer Zugfestigkeit bis zu 800 N/mm².

Um VA-Stahl zu bohren, benötigen wir also mindestens einen HSS Metallbohrer vom Typ N. Optimal wäre ein Typ H.

Wie in dem Video zu sehen funktioniert das auch wirklich wunderbar. Dennoch muss man ein kleines „aber“ hinzufügen denn…

Mit einem HSS Bohrer kann man sehr schnell an Grenzen kommen. Besonders dann, wenn man nicht sehr viel Übung im Umgang mit Stahl hat, oder der verwendete Bohrer einfach von minderwertigerer Qualität ist.

Erstens ist es so, dass der Bohrer wirklich absolut scharf sein muss. Und zweitens kommt hinzu, dass wir mit einem verhältnismäßig großen Druck bohren müssen.

Das Material ist härter und der Spitzenwinkel normaler HSS Bohrer ist recht stumpf. Wir müssen also einfach stärker drücken.

Wo mehr Druck ist, ist automatisch auch mehr Wärme. Eine mangelhaften Kühlung wäre also ein Todesurteil für den Bohrer!

Und wie weiter oben schon beschrieben, neigen VA Stähle auch noch zur Oberflächen-verfestigung. Eine ganz blöde Kombination also!

Sprich; sollte einer der Faktoren, wie beispielsweise eine zu hohe Drehzahl, mangelhafte Kühlung oder ein stumpfer Bohrer vorliegen, dann bekommen wir ganz schnell Probleme.

Solltest du während des Bohrens das Gefühl haben, nicht mehr voranzukommen, dann bricht den Bohrvorgang bitte sofort ab! Besonders wenn dir auffällt, dass der Bohrer blau anläuft. Dann ist er „weich“ geworden und damit zieht man keine Wurst mehr vom Teller!

Wenn man es sich also etwas einfacher machen möchte oder nur auf Nummer sichergehen will, greift man am besten gleich zu einem sogenannten HSSE Bohrer.

HSSE Bohrer

HSSE Bohrer sind, vom Aufbau her, ganz normale HSS Bohrer. Unterscheiden tun sie sich jedoch in dem verwendeten Werkzeugstahl. Diesen Bohrern wird mehr Kobalt zugesetzt. Je höher der Kobaltgehalt ist, desto härter der Stahl. Auch die Warmhärtebeständigkeit* steigt.

Wenn sich irgendwo etwas verbessert, muss auch wo Schatten sein. Und das ist auch hier der Fall! Denn mit zunehmender Härte verliert der Stahl an Zähigkeit.

Denk an Glas. Glas ist extrem hart aber auch sehr Bruch-anfällig. Das Gleiche gilt auch für einen HSSE Bohrer. Sei also vorsichtig beim Bohren besonders, wenn du mit Handmaschinen arbeitest. Die Dinger brechen nämlich gerne.

Spezielle Edelstahlbohrer haben außerdem einen Spitzenwinkel von 135°.

Die meisten HSSE Bohrer kommen mit Namenszusätzen wie „–Co 5“ daher. Das Kürzel „Co“ steht dabei für Kobalt und die darauffolgende Zahl für den Kobaltgehalt in Prozent. Ein HSSE Co-5 hat also ein Kobaltgehalt von 5 %. Je höher der Kobaltgehalt ist, desto härter ist der Bohrer.

*Wie schon erwähnt entsteht, durch den erhöhten Druck beim Bohren von VA, mehr Hitze an der Bohrstelle. Am Material bewirkt das die, ebenfalls schon angesprochene, Oberflächenverfestigung. Und dies wiederum führt zu dem Phänomen, dass das Werkstück immer härter und der Bohrer, temperaturbedingt, zunehmend weicher wird. HSSE-Bohrer sind da im Vorteil. Die vertragen mehr Hitze.

HSS / HSSE Vergleich

Typ Kobaltgehalt Anwendungs-Bereich*
HSS 0,5 – 1,5 % < 800 N/mm²
HSSE-Co 5 4,5 – 5 % < 1100 N/mm²
HSSE-Co 8 7,5 – 8 % < 1300 N/mm²
Die Daten stammen aus den Datenblättern der gängigen Hersteller und bilden nur eine grobe Schnittmenge.

*Mit dem Anwendungsbereich ist die jeweilige Zugfestigkeit des Werkstücks gemeint. Ein handelsüblicher V2A Stahl ließe sich also auch mit einem ganz normalen HSS Bohrer bearbeiten. Aber wie gesagt, man sollte dann schon etwas Vorsicht walten lassen und von den Standzeiten her nicht zu viel erwarten.

Es schadet also nicht, wenn man sich speziell für VA Stahl einfach einen Satz HSSE-Co 5 Bohrer besorgt. Wenn du ohnehin gerade dabei bist: Bohrer mit einem Spitzenwinkel von 135° eignen sich besonders gut für VA-Stahl!

Es gibt im Übrigen noch einen weiteren Grund, warum es sich lohnt für VA-Stahl eigene Bohrer zu beschaffen. Dazu aber später mehr.

Beschichtete Bohrer

Um die Standzeit von Bohrwerkzeug zu erhöhen, können diese beschichtet werden. Mit Standzeit ist der eigentlich der Verschleiß gemeint. Sprich je weniger der Bohrer zum Verschleißen (stumpf werden) neigt, desto höher ist seine Standzeit. Die Standzeit beschreibt also die Zeit, die vergeht bis ein Werkzeug nachgeschliffen werden muss.

Links ein beschichteter, rechts ein unbeschichteter Bohrer

Um diese Standzeit zu erhöhen, wird also nicht einfach weiter nur der Werkzeugstahl optimiert, sondern dessen Oberfläche. Die Bohrer werden zusätzlich beschichtet.

Eine solche Beschichtung hast du sicher schon einmal gesehen-denk einfach einmal an die goldfarbenen Bohrer. Diese Schichten tragen die unterschiedlichsten Bezeichnungen wie: TiN, TiCN, RinTinTin, usw…

Brauchen wir zum VA bohren solche beschichteten Bohrer?

Klare Antwort: Nein!

Du braust dir, um die Beschichtung, also kein Kopf zu machen.

Drehzahl beim Bohren von Edelstahl

Während der Arbeit an diesem Artikel bin ich mal wieder im Baumarkt gelandet. Dort stand ich amüsiert vor dem Bohrer-Regal. Zu finden war nämlich auch ein Bohrer-Set für Inox der Firma Bosch.

Abbildung zeigt eine Drehzahltabelle auf einer Packung Bohrer für INOX der Firma Bosch.

Entweder ging hier irgendetwas komplett daneben oder die Firma Bosch ist ausgefuchster als ich dachte. Denn bei diesen Drehzahlen ist sichergestellt, dass die Bohrer nicht lange halten werden!

Ich für meinen Teil verwende weitaus geringere Drehzahlen, wenn ich VA Stähle bohre.

Bei einem HSSE Bohrer liege ich bei einer Schnittgeschwindigkeit von etwa 9-10 m/min. bei HSS Bohrern gehe ich noch weiter runter. Wird also nicht gerade mit Gerätschaften aus dem schweren Maschinenbau hantiert, würde ich dir raten auch in diesen Bereichen zu bleiben.

Du kannst die Drehzahlen bequem an diesem online Rechner selbst ermitteln oder du benutzt einfach meine eigene Drehzahlentabelle, die ich seit Jahre so benutze.

Durchmesser Drehzahl
2 1400
3 1000
4 800
5 570
6 470
7 410
8 360
9 320
10 280
12 230

Welches Kühlmittel zum Edelstahl bohren?

Wie schon angedeutet, müssen wir beim Bohren von VA stärker drücken. Dass dabei auch wesentlich mehr Reibung entsteht, sollte eigentlich einleuchtend sein.

Kühlen ist also unabdingbar. Und genau hier scheitert es bei uns Heimwerken oft. Denn, anders als im professionellen Bereich, haben wir Heimwerker keine Maschine, die konstant Kühlmittel zuführt.

Wir bohren am besten also nicht „an einem Stück durch“, sondern nutzen kleinere Unterbrechungen* des Borhubes, um den Span zu brechen und gleichzeitig frisches Kühlmittel zuzuführen.

*Beim Spanbrechen kann man das praktischerweise grad machen.

Ich rate daher von Wasser-mischbaren Kühlschmiermitteln ab. Die besten Erfahrungen habe ich bis jetzt immer mit mittel viskosen Schneideölen gemacht.

Diese Schneidöle gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen. Ich würde zu aber auch kein Doktor machen und einfach ein Universalschneidöl verwenden.

Die Variante in der Spraydose ist für Heimwerker besonders praktisch.

Wichtig ist, dass ordentlich und konstant gekühlt wird. Und wenn wir gerade dabei sind:

Nein! WD 40 ist KEIN Kühlschmiermittel!

Fazit & Kurzfassung

Mit den Begriffen VA, V2A, V4A, Inox, rostfreier Edelstahl & Co. ist meistens ein und dieselbe Stahlsorte gemeint: Nämlich einen Chrome-Nickel Stahl. Diese Edelstähle sind umgangssprachlich auch als VA-Stähle bekannt.

VA-Stähle haben eine etwas höhere Zugfestigkeit als die meisten Baustähle. Außerdem neigen sie zur Oberflächenverfestigung und sollten darum unbedingt mit scharfen Werkzeugen und einer guten Kühlung bearbeitet werden.

Hast du öfter vor Löcher in Edelstahl zu bohren, dann gönne dir spezielles Edelstahlwerkzeug. Damit wirst du auf Dauer besser fahren.

Bohren von VA-Stählen:

Generell ist das Bohren von VA–Stählen also wirklich kein Hexenwerk. Es gibt absolut keinen Grund, sich verrückt machen zu lassen!

Weitere Quellen

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