Verstellbarer Zentrumbohrer als Flachfräsbohrer alternative? Mit Video.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist loch-in-v2a-v4a-rostfreien-edelstahl-bohren-mit-hss-und-hsse-bohrern.jpg

Langeweile kann manchmal wirklich ein Segen sein, denn sie lässt einen als die Dinge etwas genauer betrachten. So auch bei mir geschehen. In einem meiner alten Lehrbücher bin ich über einen interessanten Bohrertyp gestoßen. Den hatte ich zwar schon in der Werkzeugkiste eines ehemaligen Arbeitskollegen gesehen, habe mich damit aber nie weiter beschäftigt.

Zentrumbohrer, Flachbohrer oder Flachfräsbohrer sind schon sehr alte Bohrertypen. Die Vorteile dieser Bohrer liegen klar auf der Hand: Sie sind wesentlich günstiger herzustellen als Schlangen- oder Holzspiralbohrer vergleichbarer Durchmesser-größen. Mit einer Gewindespitze versehen, legen dieser Bohrer eine hohe Arbeitsgeschwindigkeit einen Tag.

Natürlich geht dieses Tempo auf die Bohrqualität. Flachfräsbohrer können diesbezüglich z.B. nicht mit Forsterbohrer mithalten. Dazu aber später mehr…

Eine Variante dieser Flachfräsbohrer lässt sich sogar im Durchmesser verstellen. Und genau um diese Variante geht es in diesem Beitrag.

Kurzfassung: Verstellbare Zentrumbohrer sind eine recht alte Bohrer-Art. Bohrer mit einer Zentrierspitze verwendet man am besten im stationären Betrieb, wie z. B. in einem Bohrständer. Die Varianten mit einer Gewindespitze kann man auch von Hand nutzen. Gebohrt wird mit geringen Drehzahlen. Die Schnittqualität ist nicht die Beste. Außerdem eignen sie sich am besten für Weichholz.

Vorstellungsvideo

Sollte dir das Projekt gefallen haben, würde ich mich sehr über ein Kommentar oder ein Abo von dir freuen!

Typischerweise finden man diese Bohrer bei klassischen Zimmermanns-Arbeiten. Aber auch für uns Heimwerker sind diese Bohrer wirklich interessant. Denn man bekommt mittlerweile für kleines Geld ganze Sets, abgestuft in verschiedene Bohrer-durchmesser. Eine günstigere Möglichkeit große Durchmesser zu bohren gibt es für uns kaum.

Zentrumbohrer: Einer für alle Durchmesser

Diesen Fräsbohrer gibt es auch als verstellbare Variante, den man auch als verstellbare Zentrum- oder Fräsbohrer bezeichnet. Der Vorteil liegt hier klar auf der Hand: Man muss nur ein Bohrer mitschleppen und nicht ein ganzes Set!

Solche Werkzeuge werden auch als „Kompromisswerkzeug“ bezeichnet. Soll heißen: Es gibt bestimmt bessere Lösungen, aber wenn man nur den einen Bohrer dabei hat, muss das halt reichen.

Nun verstehe ich auch, warum ein ehemaliger Arbeitskollege solch einen Bohrer immer in seiner Montagebox mitführte. Ich für meinen Teil hatte nie Bedarf an solch einem Bohrer, denn ich hatte es meistens nur mit wenigen Durchmesser zu tun gehabt. Unnötiges legt man sich ohnehin nicht die Werkzeugkiste. Jeder der die Dinge regelmäßig schleppen muss, weiß was ich damit meine… :)

Ich kam also erst sehr viel später dazu, mir solch ein verstellbaren Zentrum Bohrer genauer anzusehen.

Der Aufbau eines einstellbaren Zentrumbohrers

Technisch gesehen unterscheiden sich Zentrumbohrer kaum von Flachfräsbohrern.

Links klassischer Flachfräsbohrer, rechts ein verstellbarer Zentrumbohrer. Beide mit Gewindespitze.

Beide haben eine Gewindespitze oder eine Zentrierspitze, einen Vorschneider (Anritzer) und ein Spanabheber (Schneide). Bohrer mit einer Gewindespitze ziehen sich selbstständig in das Holz und erhalten gleichzeitig etwas Führung. Der Lochumfang wird von dem Vorschneider geschnitten und schlussendlich dann vom Spanabheber getrennt. Teamwork eben. Es ist also mehr ein „fräsen“ als bohren.

Anders als beim Flachfräsbohrer, ist die Schneide des verstellbaren Zentrumbohrers nicht fest vorgegeben, sondern variabel. Durch ein verschieben der Schneide kann man also den Bohrdurchmesser innerhalb eines bestimmten Bereiches frei wählen.

Vor und Nachteile eines Zentrumbohrers

Vorteile: der offensichtlichste Vorteil-mit einem einzigen Werkzeug deckt man viele Durchmesser ab. Das spart Platz und Gewicht. Gut für jeden der auf Montage viel Werkzeug schleppen muss. Außerdem ist man mit dem Durchmesser ein wenig flexibler. Denn man ist nicht, durch die von den Herstellern vorgegebenen Abstufungen, begrenzt.

Nachteile: fast alle Hersteller empfehlen den stationären Einsatz dieses Bohrers. Das ist aber nicht immer möglich. Außerdem muss man bei der Anwendung dieses Werkzeuges mehr Vorsicht walten lassen. Auch preislich gibt es einen Nachteil; denn will man sich einen qualitativ hochwertigen Zentrumbohrer anschaffen, kann man für dieses Geld schon mehrere Sets Flachfräsbohrer kaufen.

Ähnlich wie beim Flächenfräsbohrer (Mit Gewindespitze) ist die allgemeine Schnittqualität dieser Bohrer nicht besonders gut. Bei groben Arbeiten ist das ja kein Problem, wenn es aber feiner werden soll, dann sollte man zu Forstnerbohrer greifen.

Welches Holz kann man bohren?

Der Zentrumbohrer mit Gewindespitze eignen sich eigentlich nur für Bohrungen in Weichholz. Dabei erzeugt er in Querholz eine relativ saubere Bohrung. In Hirnholz neigt die Nummer aber schnell zum Verlaufen und die Gewindespitze kann das Material spalten. Vorbohren schadet also in dem Fall nicht.

Die mir vorliegenden Modelle waren jedenfalls z.B. mit Buchenholz überfordert. Mit meinen normalen, nicht verstellbaren, Flachfräsbohrern hat man mit solchen Hölzern dagegen weniger Probleme.

Zentrumbohrer mit Handbohrmaschine nutzen?

Bei fast allen Herstellern, bei denen ich nachgefragt habe, werden Bohrer mit einer Zentrierspitze nur für den stationären Einsatz empfohlen. Stationärer Einsatz bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man den Bohrer entweder in einer Säulenbohrmaschine oder in einem Bohrständer benutzt. Und das ist auch wirklich sehr gut nachzuvollziehen.

Zentrumbohrer mit einer Gewindespitze, in einer stationären Maschine zu benutzen, ist aber auch nicht ohne! Denn die Drehzahl bestimmt indirekt den Vorschub. Schnell ist man mit dem Bohrer an der Grundplatte der Bohrmaschine, wenn man nicht rechtzeitig stoppt. Es geht zwar schon, aber Vorsicht an der Stelle!

Tisch-Bohrmaschinen oder Bohrständer
Falls möglich nutze diese Bohrer nur stationär.

Dieser Bohrer erzeugt durch seine einseitige Ausladung eine gewaltige Unwucht. Während des Bohrvorgangs merkt man davon eigentlich kaum etwas. Sobald man aber aus dem Material austritt und der Bohrer so keine Führung mehr durch seine Zentrierspitze mehr bekommt, ist es unmöglich von dieser Unwucht nichts mitzubekommen. Das scheppert nämlich ganz ordentlich.

Was ist bei der Anwendung zu beachten?

Achte darauf, dass die Schneide wirklich plan (kein Schmutz zwischen den Flächen) anliegt und angezogen ist. Ist der Bohrer schon etwas verschmutzt, ist das nicht immer gegeben. Achte also darauf, dass das Werkzeug immer schön sauber gehalten wird.

Halte dich unbedingt an die Drehzahlvorgaben des Herstellers. Dieser Bohrertyp ist nicht dafür gedacht, mit hohen Drehzahlen benutzt zu werden. Da anders als bei einem Forsterbohrer, hier bewegliche Teile mit im Spiel sind, würde ich da große Vorsicht walten lassen.

Drehmomentstarke Maschine. Diese Bohrerart wird mit geringen Drehzahlen betrieben. Geringe Drehzahlen bedeutet wiederum, dass im Umkehrschluss ein hohes Drehmoment (Kraft) benötigt wird, um die schneiden in das Holz zu treiben.

Wenn deine Maschine also nicht genug Kraft hat, wird sie stehen bleiben. In diesem Fall verringerst du die Drehzahl, in dem du einen Gang herunterschaltest.

Stationärer Einsatz. Falls irgend möglich versuche diese Bohrer nur in stationären Maschinen, wie zum Beispiel Säulenbohrmaschine, Bohrständer oder Ähnliches zu verwenden. Ist der stationäre Einsatz nicht möglich, vermeide unbedingt ein Durchbohren des Materials und verwende falls möglich Maschinen mit einer „Kick-back“ Funktion.

Keine Gewalt. Niemals nie mit Gewalt arbeiten! Wenn es irgendwo hakt oder zu starken Vibrationen kommt, brich den Vorgang ab und suche eine andere Lösung!

Bohrer nur im Stillstand aus dem Bohrloch ziehen. Ich habe sowohl bei stationären wie auch mit Handmaschinen die Erfahrung gemacht, dass es schnell zu einer starken Unwucht kommen kann, wenn die Zentrierspitze keinen Halt mehr hat.

Testbohrung durchführen. Die Skalen, an den mir vorliegenden Modellen, sind nicht die genauesten. Also am besten nach dem Einstellen eine Probebohrung machen.

Vorsicht beim Durchbohren!

Wie bereits im Abschnitt „Zentrumbohrer mit der Handbohrmaschine nutzen“ erwähnt raten die meisten Hersteller dazu, diese Bohrer nur in stationär zu nutzen. Da haben die natürlich nicht unrecht.

Sind wir aber ehrlich: Das ist erfahrungsgemäß aber nur frommes Wunschdenken. Besonders auf der Baustelle und bei uns Heimwerkern… :) In der Praxis sieht das nämlich oft anders aus.

Einer der größten Gefahren ist es, diesen Bohrer ungeführt zu nutzen. Dieser Fall tritt z.B. beim Durchbohren eines Werkstückes ein. Um die Nummer ein wenig zu entschärfen, kann man sich mit einer zusätzlichen Zulade behelfen.

Sprich: Spanne einfach ein Stück Holz auf die austretende Seite. Fixieren das aber wirklich gut. Beispielsweise mit Schraubzwingen oder zur Not einfach festschrauben.

Wichtig ist nur, dass die wirklich satt anliegt!

Sobald der Bohrer aus dem Werkstück austritt, bietet die Zulage lange genug Führung, bis der Bohrer durch das Material ist. Falls möglich verwendest, du für diese Zulade auch einen anderen Holzwerkstoff. So bemerkst du den Durchbruch viel schneller.

Welche Drehzahl für einen Zentrumbohrer?

Halte dich bitte unbedingt an die Vorgaben des Herstellers. Sollte der Hersteller aber keine Drehzahlen angegeben haben, kannst dich grob an diese Drehzahlen Tabelle halten:

DurchmesserDrehzahl
Ø 40600 U/min
Ø 50500 U/min
Ø 60400 U/min
Ø 70300 U/min
Ausgehend von einer Schnittgeschwindigeit um die 1,4 m/s und bei einem stationären Betrieb.

Ansonsten: Bitte Kopf einschalten und konzentriert bei der Sache sein!

Alternativen zum Zentrumbohrer

Wenn es nur um durchgehende Bohrungen geht, würden sich verstellbare Kreisschneider als Alternative anbieten. Kannst du dich mit vorgegebenen Durchmesser-Abstufungen abfinden, dann würden sich auch Lochsägen anbieten.

Das Gleiche gilt für, die oben schon beschriebenen, Flachfräsbohrer. Legst du viel Wert auf Maßhaltigkeit und eine gute Bohrqualität, dann sind Forstnerbohrer wohl die bessere Alternative.

Frag mich!

Sollte dir dieser Ratgeber gefallen haben, würde ich mich sehr über ein Kommentar oder ein Abo auf Youtube, Facebook oder Instagram von dir freuen.

Abonnieren ist übrigens kostenlos! :)

Du kannst mir natürlich auch gerne Fragen stellen!

Schreibe einen Kommentar