Warum der günstigste Holzleim der Beste ist!

Warum es absolut keinen Grund gibt, unnötig viel Geld für exotische Leime auszugeben und der gute alte Weißleim alle unsere Anforderungen erfüllt, erfährst du in diesem Artikel.

Wenn man das Preis-Leistungs-Verhältnis als Maßstab ansetzt, dann sind handelsübliche Weißleime (PVAC) für den gewöhnlichen Heimwerker die besten Holzleime. Sie sind einfach zu verarbeiten, nicht giftig, lange haltbar, recht günstig, überall erhältlich und haben eine hohe Klebekraft.

Diejenigen unter euch, die nach der Überschrift laut Blasphemie schreien sei gesagt, dass ich an dem Mythos Titebond nicht rütteln werde. Jedem das seine, alles in Ordnung! Gesteht es mir aber auch zu, dass ich mich gegen dieses Trendprodukt und dessen Hype stelle.

Für alle anderen die nun verwirrt dastehen; einfach weiterlesen. Alles wird gut! :-)

Normaler Weißleim ist am günstigsten

Wenn man Holz verleimen will, ist normaler Weißleim in 95% der Fälle die beste und günstigste Variante.

Warum?

Weil erstens die modernen Leime wirklich sehr gut sind und ab einem größeren Gebinde die ganze Sache auch sehr günstig wird.

Ja. Richtig, Gebinde. Ich meine da nun nicht Industriemengen. Es gibt diese Leime auch schon in 5KG-Eimern. Zugegeben, das klingt etwas viel. Aber was viele nicht wissen: Richtig gelagert hält normaler Weißleim locker zwei Jahre!

Meine älteste Tube hatte sich drei Jahre lang in einer Schublade versteckt und war immer noch in Ordnung.

Und ab 5Kg bekommt man solche Gebinde im normalen Einzelhandel zu ca. 5,60€ pro Kg. Dafür bekommt man sonst nicht einmal eine 500g Tube!

Was ist PVAC / Weißleim eigentlich

Dieser Leim ist zuerst einmal eine sogenannte Dispersion. Du kennst diesen Ausdruck bestimmt von ganz normalen (Dispersion) Wandfarben.

Sie sind sich auch nicht unähnlich, denn beide sind eine wasserbasierende Dispersion aus Kunststoffen oder Harzen als Bindemittel und den verschiedensten Füllstoffen.

Beim Holzleim ist dieses Bindemittel ein Polyvinylacetat (PVAC). Das ist ein Kunststoff. Oder umgangssprachlich einfach „Plastik“.

Sobald das Lösemittel (Wasser) verdunstet oder im Holz eingezogen ist, bleibt nur noch dieser Kunststoff in der Leimfuge übrig. Dieser Kunststoff (ein Thermoplast) bindet dann, Kohäsion und Adhäsion sei Dank, die Holzstücke aneinander.

Im Prinzip steckt also hinterher zwischen den beiden Hölzern eine hauchdünne Folie.

Nebenbei hast du auch schon das „Kryptonit“ dieses Klebstoffes kennengelernt: Wasser & wärme.

Die Leimfuge bleibt bei normalem Weißleim im Übrigen minimal elastisch. In den meisten Fällen ist das von Vorteil. Es gibt aber auch Situationen in denen eine „glasharte“ Leimfuge besser ist.

Wenn du also vorhast ein Musikinstrument zu bauen, oder alte Möbelstücke zu restaurieren solltest du dich nach anderen Klebstoffen umsehen.

Wie stark ist Weißleim?

Korrekt ausgeführt ist eine Verleimung mit Weißleim stärker als das Holz selbst. Man kann es also drehen und wenden wie man will: Es besteht absolut keine Notwendigkeit, einen noch stärkeren Klebstoff einzusetzen!

Wird Weißleim durchsichtig?

Weißleim besteht größtenteils aus Polyvinylacetat einem transparenten Kunststoff.

Weiß erscheint der Leim nur deshalb, weil dieser in einem Lösemittel (Wasser) verteilt ist. Sobald das Wasser verdunstet ist, werden die meisten Weißleime wieder durchsichtig oder mindestens semitransparent.

Übrigens: Wenn der Lein zu dick aufgetragen wurde, kann es etwas länger dauern, bis er durchsichtig wird. Es kann dann vorkommen, dass die obere Leimschicht schon trocken ist und dadurch die Lage darunter mehr Zeit zum Trocknen benötigt.

Welcher Weißleim ist nun der besten? 

Dieser Absatz zaubert mir ein breites Grinsen ins Gesicht, denn es ist so:

Alle üblichen Weißleime sind die besten!

Richtig gelesen! Ich habe wirklich schon viele ausprobiert. Ob Soudal, UHU, Bindulin, Ponal oder Kleiberit und, und… Alle Leime sind OK. Ich habe absolut keinen Unterschied feststellen können.

Versteht mich nicht falsch; ich weiß, dass es unzählige Leime für jeden nur erdenklichen Sonderfall gibt. Aber wenn es um die Basic-Leime wie einen einfachen D2 / D3 geht, dann geben sich die verschiedenen Hersteller rein gar nichts.

Es spielt auch keine Rolle, ob man eine „Eigenmarke“ vom „Discounter“ kauft oder bei Würth, wo man auch nicht weiß, was für eine Plörre da abgefüllt und umgelabelt wird.

Und weißt du was? Das ist wirklich gut so! So kann man tatsächlich ohne Bauchschmerzen zu einem günstigeren Leim greifen.

Weiter unten habe ich dir meine persönlichen Lieblinge aufgelistet.

D2, D3 und D4?

Im Zusammenhang mit Holzleimen werden dir die obigen Kürzel öfter über den Weg laufen. Dahinter steckt wieder eine dieser Normen. Ein Vergnügen für den Holz-Nerd, ein Albtraum für Otto Normalo.

Aber diesmal ist es wirklich einfach. Holzleime werden nämlich in Beanspruchungs-gruppen, bzw. in dessen Wasserfestigkeit eingeteilt: D1, D2, D3 und D4. Ich zitiere an der Stelle einfach mal den entsprechenden Wikipedia-Artikel:

  • D1: Geeignet für den Innenbereich, wobei die Holzfeuchte unter 15 % bleiben muss.
  • D2: Geeignet für den Innenbereich mit gelegentlicher kurzzeitiger Wasser- bzw. Kondenswassereinwirkung, wobei die Holzfeuchte maximal 18 % erreichen darf.
  • D3: Geeignet für den Innenbereich mit häufig kurzzeitiger Wassereinwirkung oder höherer Luftfeuchte. Geeignet für den Außenbereich ohne Aussetzung einer direkten Bewitterung.
  • D4: Geeignet für den Innenbereich mit häufig und lang anhaltender Einwirkung von abfließendem Wasser bzw. Kondenswasser. Im Außenbereich und der Witterung ausgesetzt mit angemessenem Oberflächenschutz.

Auf Deutsch bedeutet das: für uns reicht in 90% der Fälle ein ganz normaler D2 Leim. Der Definition nach reicht dieser Leim auch für Feuchträume. Soll heißen, dass man diesen Leim überall in einer normalen Wohnung einsetzen kann.

Und nein, das Badezimmer gilt definitionsgemäß nicht als Feuchtraum!

Einen D3 Leim würde ich wirklich nur dann nehmen, wenn es tatsächlich auch nötig ist. Mir persönlich fällt diese Wahl aber recht schwer, denn ein D3 ist nur Feuchte resistent aber nicht „wasserfest“.

Denn wie gesagt, selbst für Badezimmermöbel reicht der D2 und wenn man weiß, dass es nass wird, kann man gleich einen D4 nehmen.

Bei dem D4 Leim verlassen wir aber das Revier der Weißleime. Es ist nämlich so, dass man entweder durch Zugabe eines Härters einen D3 Leim in einen D4 Leim „upgraden“ kann oder einen reinen D4 Leim nimmt.

Letzteres ist kein Weißleim mehr, sondern ein sogenannter PUR-Leim (Polyurethan).

In beiden Fällen kommt also richtig Chemie ins Spiel und dementsprechend steigen auch die Anforderungen an den Anwender. Das wird aber jetzt den Rahmen dieses Beitrages sprengen.

Ist Holzleim giftig?

Normaler Dispersionsleim (Weißleim / PVAC) ist nicht giftig. Bei solchen Leimen dient ein Polyvinylacetat als Bindemittel, die sehr fein in Wasser verteilt sind. Beim Aushärten verdunstet das Wasser oder zieht in das Holz ein. Polyvinylacetat gilt als relativ unbedenklich.

Was natürlich nicht bedeutet, dass man den Leim nun in sich reinkippen sollte! Es schadet auch nicht ihn vom Gesicht, insbesondere den Augen fernzuhalten.

Für gewöhnlich muss auch keine besondere Schutzausrüstung, wie z.B. Handschuhe bei der Anwendung tragen. Gesunder Menschenverstand reicht meistens.

Um sicher zu gehen, solltest du aber immer zuerst einen Blick auf die Sicherheitsinformationen vom Hersteller werfen. Wenn die nicht beiliegen, ruf den Support an oder frag Tante Google nach dem Datenblatt.   

Überschüssigen Leim entfernen

Dank der Wasserbasis kannst du den Leim, solange er noch flüssig ist, auch einfach mit einem feuchten (warmes Wasser) Tuch oder Schwämmchen abwischen. Dabei besteht aber die Gefahr, dass man den Leim auf dem Holz verschmiert.

Also ruhig noch mehrmals feucht nachwischen, wenn du dir nicht sicher bist, dass nicht alles sauber ist.

Kleine Anekdote am Rande: Mein damaliger Lehrmeister bestand auf die „feucht-Schwamm-wisch Wasch“ Methode. Ich habe das damals freudig so übernommen. Waren nämlich tiptop Wurfgeschosse…

Der Kenner lässt überschüssigen Leim übrigens leicht antrocknen und entfernt ihn dann mit einem Stecheisen oder einer Ziehklinge.

Wird an der Stelle geschlampt und der Leim hatte die Gelegenheit schon in das Holz einzuziehen, dann wird es komplizierter. Es besteht nämlich die Gefahr, dass man diese Leimstelle hinterher sieht.

Zwar nicht direkt den Leim selbst, sondern eher dadurch, dass sich an seiner Stelle entweder nichts mehr auftragen lässt (Öl, Wachs, usw.) oder es an der Stelle zu Verfärbungen kommt.

Ist der Leim erst richtig ausgehärtet, dann lässt er sich nur noch mechanisch entfernen. Also schleifen, bis der Arzt kommt.

Heißt es kleben oder leimen?

Ich weiß nicht mehr wo und wann, aber als ich den Satz „Leimen ist kleben mit Leim“ als vermeintliche Erklärung vernehmen durfte, war das Thema für mich durch!

Der Schreiner besteht auf seinen Leimen. Bitte, lassen wir ihm das. Für alle anderen, die auch keine Lust auf solch eine Haarspalterei über Fugenbreiten und dergleichen haben, ist Leimen und Kleben einfach dasselbe. Punkt.

Wie lagert man Weißleim am besten?

Weißleim lagert man am besten trocken, dunkel und kühl aber frostfrei. Auch ist darauf zu achten, dass die Leimflasche oder der Leimeimer luftdicht verschlossen ist.

Sind diese Punkte gewährleistet, ist Weißleim übrigens 2-3 Jahre haltbar. Die Haltbarkeit gilt aber nur für D1 bis D3 Leime.

Besonders der Punkt „Frostfreiheit“ ist nicht zu unterschätzen. Denn in einem Keller kann das ganz schnell passieren, dass die Temperatur zu stark fällt. Diesen Fall beschreibt dieses Video wunderbar:

 

Video-Link: https://youtu.be/XgeToJIJwiQ

Wie lange dauert es, bis Holzleim trocknet?

Handelsüblicher Weißleim ist bei Raumtemperatur in, zwischen 20 Minuten und einer Stunde, handfest und erreicht nach ca. 12 Stunden seine Endfestigkeit. Die genauen Zeiten können dem jeweiligen Datenblatt des Herstellers entnommen werden.

Was ist die „offene Zeit“?

In den Datenblättern der Leimhersteller wirst du öfters diesen Begriff zu lesen bekommen. Und tatsächlich ist es so, dass die meisten Fehlverleimungen genau an diesem Punkt passieren.

Wird diese „offene Zeit“ nämlich überschritten, war es das mit kleben!

Also was ist nun diese… Die offene Zeit beschreibt den Zeitraum vom Auftrag des Leimen bis zum Einsetzen des Pressdrucks.

Die Fachleute unterscheiden außerdem zwischen offener und geschlossener Zeit. Mit letzteren ist die Zeit zwischen Zusammenfügen der Werkstücke und dem Einsetzen des Pressdrucks gemeint.

Das tönt mal wieder viel schlimmer als es ist.

Vereinfacht ausgedrückt: Das ist die Zeit, in der sich der Leim noch „flüssig“ ist.

Wenn der Leimhersteller als eine offene Zeit von 8 Minuten angibt, bedeutet das, dass du mit dem Beginn des Leimauftrags 8 Minuten Zeit hast deine Teile zu spannen.

Aus dem Grund ist es immer sehr wichtig, dass beim Verleimen immer alles vorbereitet ist. Hast du Platz geschaffen, sind alle zwingend da, usw.

Die angegebene offene Zeit sollte aber nur als ein grober Richtwert interpretiert werden. Denn es ist so, dass es einige Umstände bzw. Faktoren gibt, die die offene Zeit verlängern oder auch verkürzen können.

Ich habe einmal einige dieser Faktoren in dieser Tabelle zusammengetragen:

verlängerndverkürzend
keine Zugluftdirekte Sonneneinstrahlung
dicker Leimauftragdünner Leimauftrag
hohe Luftfeuchtegeringe Luftfeuchte
geringe Temperaturenhohe Temperaturen
weniger saugfähiges Holz (Hartholz)sehr saugfähiges Holz (Weichholz)

In diesem Zusammenhang noch ein kleiner Erfahrungswert: Finger weg von Expressleim!

Expressleime sind in Ordnung, wenn man nur wirklich kleine Teile oder Flächen verleimen möchte. Sobald es aber etwas größer wird, ist eine längere offene Zeit definitiv stressfreier.

Welcher Weißlein ist nun empfehlenswert?

Wie oben schon erwähnt, spielt es bei den normalen D2 und D3 Leimen eigentlich keine Rolle von welchem Hersteller die sind.

Ich habe im Lauf der Jahre die meisten Sorten durchprobiert und muss ehrlich gestehen, dass mir als normaler Heimwerker großartig keine Unterschiede aufgefallen sind.

Und das ist der Punkt, an dem man richtig schön sparen kann!

Mein persönlicher Liebling sind Soudal und Ponal Leime. Und zwar den im fünf Kilo Eimer. Das Ganze lässt sich recht einfach dann in kleinere Flaschen abfüllen.

Wer so eine Menge nicht innerhalb von zwei Jahren verbraucht, kann ja einen Teil davon weitergeben! ;-)

Für Spezialanwendungen greife ich ansonsten natürlich auch auf kleineren Flaschen (Gebinde) anderer Leime zurück. Für die üblichen Standardsachen reichen solche einfachen Leime aber vollkommen.

Fazit

Ja, es gibt gefühlt eine Milliarde verschiedener Leime. Und zwar für jeden noch so abgefahrenen Sonderfall.

Ich kann auch absolut verstehen, dass es sehr befremdlich wirkt, wenn dann da einer daherkommt und behauptet, dass bei 95% der Anwendungsfälle eines durchschnittlichen Heimwerkers, ein einziger Holzleim reicht.

Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass mir auch die meisten Marketing-abteilungen der jeweiligen Hersteller widersprechen. ;-P

Aber die paar Sonderfälle, in den man tatsächlich besondere Leime bzw. Klebstoffe benötigen, kann man meistens an einer Hand abzählen.

Und so kann man schon behaupten: Der gute alte Weißleim ist immer noch der beste Holzleim für uns Heimwerker!

Oder was meint ihr?

Quellen & Infos

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